Wie Kleinbahnen Neheim, Soest, Brilon und das Möhnetal miteinander verbanden.

Als „Pengel-Anton“ durchs Sauerland dampfte

Als „Pengel-Anton“ durchs Sauerland dampfte

Pferdestall am Bahnhof

Wie eng alte und neue Verkehrswelt damals miteinander verbunden waren, zeigt ein bemerkenswertes Dokument aus Scharfenberg. 1904 beantragte die Westfälische Landes-Eisenbahn in Scharfenberg den Bau eines Anbaus am Bahnhof. Dabei handelte es sich nicht um einen Wartesaal oder Güterschuppen, sondern um einen Pferdestall.

Bahnhof Scharfenberg
Bahnhof Scharfenberg
Foto: Genau, Heinrich Copyright © LWL-Medienzentrum für Westfalen

Im Erdgeschoss sollten zwei Ställe entstehen, darüber war Lagerraum für Heu vorgesehen. Eine detaillierte Bauzeichnung wurde geprüft, und ein späteres Foto belegt, dass das Gebäude tatsächlich errichtet wurde.

Heute wirkt ein Pferdestall direkt neben einem Bahnhof widersprüchlich. Damals war dies jedoch selbstverständlich. Die Eisenbahn ersetzte Pferd und Fuhrwerk nicht schlagartig. Beide Verkehrsmittel ergänzten sich vielmehr, denn Waren mussten weiterhin zum Bahnhof gebracht und von dort wieder abgeholt werden.

Von Neheim weiter ins Röhrtal

Während die Möhnetalbahn weiter wuchs, wurde auch das Streckennetz rund um Neheim ausgebaut. Mit der Röhrtalbahn entstand eine wichtige Verbindung nach Sundern. Wenige Jahre später wurde die von Soest kommende Kleinbahn über Bruchhausen und Niedereimer bis zur Jägerbrücke in Arnsberg verlängert.

Eine historische Aufnahme der Endhaltestelle an der Jägerbrücke zeigt eindrucksvoll, wie selbstverständlich sich Eisenbahn und städtischer Verkehr damals den gleichen Raum teilten.

Steine für die Möhnetalsperre

Die Kleinbahn transportierte längst nicht nur Fahrgäste. Mit dem Bau der Möhnetalsperre erhielt sie eine weitere wichtige Aufgabe. Die Ruhr-Lippe-Kleinbahn lieferte Steine aus ihrem eigenen Steinbruch bei Müschede zur Baustelle. Später brachte sie zudem zahlreiche Ausflügler an den Möhnesee.

Damit wird deutlich, welche Bedeutung die kleinen Eisenbahnen inzwischen erlangt hatten. Sie brachten Schüler zur Schule und Kaufleute zu ihren Kunden, transportierten Holz, Steine und andere Güter und erschlossen Orte, die zuvor abseits der großen Eisenbahnlinien lagen.

Als die Straße die Schiene verdrängte

Über viele Jahrzehnte prägten die Bahnen den Alltag der Region. Mit dem wachsenden Auto- und Omnibusverkehr bekamen sie jedoch zunehmend Konkurrenz.

Auf der WLE-Möhnetalbahn wurde der Personenverkehr schrittweise eingestellt, später ging auch der Güterverkehr zurück. Auf Teilen der ehemaligen Strecke verlaufen heute Radwege.

Wer heute vom „Pengel-Anton“ spricht, erinnert nicht nur an eine kleine dampfende Eisenbahn. Der Name steht zugleich für eine Zeit, in der das Sauerland ein gutes Stück näher zusammenrückte. Und manchmal genügte dafür ein weithin hörbares: Peng, peng, peng.

Quellen:
Regionalverkehr Ruhr-Lippe GmbH (RLG): „Geschichte der RLG – Meilensteine“
Wilfried Hammerschmidt: „Pengel-Anton und Kiepenkerl im Sauerland. Sauerländer Heimatbund, 1990.
Stadtarchiv Brilon: „Anbau am Bahnhof Scharfenberg“ – Bauakte von 1904.
Günter Krause: Kleinbahn-Zeiten zwischen Ruhr und Lippe.

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