Brilon bekommt die Eisenbahn vor die Haustür
Brilon war zwar bereits an die Obere Ruhrtalbahn angebunden, doch der Bahnhof Brilon Wald lag mehrere Kilometer außerhalb der Stadt. Für die örtlichen Handwerks- und Industriebetriebe war dies wenig zufriedenstellend. Vor allem die Hammerwerke und Gewerbebetriebe des Möhnetals waren auf bessere Transportmöglichkeiten angewiesen.
Deshalb wurden die Pläne für eine Bahnstrecke durch das Möhnetal erneut aufgegriffen. Die Strecke sollte von Soest über Wamel, Allagen, Belecke und Rüthen bis nach Brilon führen. Bereits am 1. Dezember 1898 wurde der Verkehr zwischen Belecke und Brilon aufgenommen. Ein Jahr später folgte die Verbindung zwischen Soest und Belecke. Am 1. Juli 1900 erhielt Brilon zusätzlich eine Bahnverbindung zum Bahnhof Brilon Wald.
Während der Bauzeit änderte die Warstein-Lippstädter Eisenbahn ihren Namen in Westfälische Landes-Eisenbahn (WLE). Ihr Netz war inzwischen deutlich über die ursprüngliche Verbindung zwischen Warstein und Lippstadt hinausgewachsen.
Mit 40 Kilometer pro Stunde durchs Möhnetal
Die Möhnetalbahn zwischen Soest und Brilon war rund 54,5 Kilometer lang. Besonders schnell war sie zunächst nicht. Durchschnittlich erreichten die Züge etwa 40 Stundenkilometer. Für die Menschen jener Zeit war dies dennoch ein großer Fortschritt.
Schüler konnten mit der Bahn nach Brilon zur Schule fahren, Kaufleute aus dem Waldecker Land erreichten einfacher ihre Kunden im Möhnetal, auf der Haar und im Raum Soest und Lippstadt.
Anfangs verkehrten vier Züge täglich in jede Richtung. Teilweise handelte es sich um gemischte Züge, die gleichzeitig Fahrgäste und Güter beförderten. Aus heutiger Sicht mögen diese Fahrten gemächlich erscheinen. Gegenüber einem Fußmarsch oder einer Reise mit dem Pferdefuhrwerk verkürzten sich die Wege jedoch erheblich.

