Text: Christel Zidi
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung
Zwei Lebenswege im 18. Jahrhundert zwischen Heimat und einer neuen Siedlungsregion im heutigen Westrumänien
Johann Franz Gockel wurde 1746 in Felbecke bei Wormbach als Sohn des Hofbesitzers Anton Gockel und dessen Ehefrau Anna Maria Sporck geboren. Er wuchs auf einem mittleren Bauernhof auf. Sein Vater Anton Gockel hatte in den Hof eingeheiratet und wird 1759 als „Meyer“ bezeichnet – ein im Sauerland gebräuchlicher Ausdruck für einen Hofpächter oder Bewirtschafter, der einen Hof nicht als Erbe, sondern durch Einheirat oder vertragliche Übernahme führte.
Im Jahr 1765 hatte Anton Gockel den Hof bereits an den Ehemann seiner ältesten Tochter übergeben und lebte fortan als Altbauer auf dem Besitz. Das Schatzungsregister von 1760 weist acht Stück Rindvieh, ein Schwein und fünfzehn Schafe aus – ein für die Region typischer Bestand eines bäuerlichen Mittelhofes. Johann Franz war ein nachgeborener Sohn, der nach dem im Sauerland üblichen Anerbenrecht kaum Aussicht hatte, den elterlichen Hof zu übernehmen.
Der Entschluss zur Auswanderung
Für jüngere Bauernsöhne bot das kurkölnische Sauerland im 18. Jahrhundert nur begrenzte wirtschaftliche Perspektiven. Als die habsburgische Regierung unter Kaiserin Maria Theresia ab 1763 Siedler für das nach den Türkenkriegen entvölkerte Banat warb, nutzten viele Menschen aus den Ämtern Bilstein, Attendorn und Olpe diese Gelegenheit.
Die Theresianische Ansiedlung (1763–1772) sollte das Banat, eine damals weitgehend entvölkerte Region im südöstlichen Teil des Habsburgerreiches, wirtschaftlich beleben und zugleich die Grenze des Reiches sichern. Das Banat liegt im heutigen Westrumänien und wird von Donau, Theiß und Marosch begrenzt.
Den Kolonisten wurden Land, Baumaterial, Vieh, Saatgut und mehrjährige Steuerfreiheit zugesagt. Insgesamt wanderten unter Maria Theresia rund 30.000 deutsche Siedler in das Banat ein. Auch Johann Franz Gockel gehörte zu jenen, die den Schritt in eine ungewisse Zukunft wagten.
Bild oben: Sogenannte „Ulmer Schachtel“ / Renardo la vulpo, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons

