Rückkehr ins Sauerland
Wann und weshalb Johann Franz Gockel das Banat verließ, ist nicht überliefert. Sicher ist lediglich, dass er spätestens 1777 wieder im Sauerland lebte. Der Tod seiner ersten Ehefrau Gertrud Heimes lässt sich bislang nicht datieren.
Seine Rückkehr muss zwischen 1765 und 1777 erfolgt sein. Stephan Degenhard aus Menkhausen-Berghof kehrte nach kurzem Aufenthalt in Tschanad (heute Cenad) wieder heim. Auch Stephan Degenhard hat es nicht lange im Banat gehalten. Schon für 1766 ist vermerkt, dass er in Berghof starb.
Während die Mehrheit der deutschen Kolonisten dauerhaft im Banat blieb und dort die Gemeinschaft der späteren Donauschwaben[2] begründete, entschied sich Johann Franz für den beschwerlichen Weg zurück in die Heimat. Die Gründe bleiben unbekannt; Krankheit, wirtschaftliche Schwierigkeiten oder der Verlust seiner Frau könnten eine Rolle gespielt haben, doch keine dieser Vermutungen lässt sich belegen.
Die letzten Lebensjahre
1777 heiratete Johann Franz Gockel in Oberkirchen Anna Maria Volmers aus Westfeld. Im Trauungseintrag wird er als „Johannes Franciscus Gockel dictus Sporck ex Velbecke“ bezeichnet, was seine Herkunft eindeutig bestätigt.
Nach dem Tod seiner zweiten Ehefrau ging er im Alter von 52 Jahren eine dritte Ehe ein: 1798 heiratete er Anna Catharina Regina Mörchen aus Hesborn. Noch im selben Jahr verstarb der Ackersmann, wie in der Sterbeurkunde zu lesen ist, in Schmallenberg-Westfeld.
Der Lebensweg des Johann Franz Gockel steht stellvertretend für eine der bedeutendsten europäischen Siedlungsbewegungen des 18. Jahrhunderts. Während viele Auswanderer im Banat eine neue Heimat fanden, führte ihn sein Weg schließlich zurück in das Sauerland – dorthin, wo seine Wurzeln lagen.
Die Untersuchungen von Dr. Friedhelm Treude in „Auswanderung aus dem kurkölnischen Sauerland im Zug der theresianischen Banatbesiedlung“ gelten bis heute als Standardwerk zur Auswanderung aus dem Sauerland in das Banat. Seine Forschung liefert bemerkenswert präzise Zahlen:
– Während der Theresianischen Ansiedlung (1763–1772) wanderten über 1.000 Menschen aus dem Sauerland aus.
– Zusätzlich wurden 1785/86 weitere 644 Auswanderer mit der Herkunftsangabe „aus dem Sauerland“ bzw. „aus dem Kölnischen“ in Wien registriert.
– Insgesamt ließen sich 337 Sauerländer Familien dauerhaft in 15 Banater Dörfern nieder.
Quelle:
Friedhelm Treude, Die Auswanderung aus dem kurkölnischen Sauerland im Zuge der theresianischen Banatbesiedlung 1763–1772
[1] Ein vollspänniger Meyer war ein voll ausgestatteter Hofpächter mit eigener Zugtier‑Spann (meist zwei Pferde oder Ochsen) und entsprechend großem Landanteil. Er gehörte zur oberen bäuerlichen Wirtschaftsstufe.
[2] Als Donauschwaben bezeichnet man die deutschsprachigen Siedler des 18. Jahrhunderts, die in die habsburgischen Donaugebiete – besonders ins Banat – auswanderten. Sie heißen „Schwaben“, weil die Auswanderung über Ulm in Schwaben organisiert wurde und die Wiener Behörden alle Kolonisten pauschal diesem Herkunftsraum zuordneten – auch wenn viele aus dem Rheinland, Hessen oder dem Sauerland stammten.

