Aufbruch in eine neue Heimat
Im Kirchenbuch der Pfarrei Wormbach ist für 1765 vermerkt, dass Johann Franz Gockel ein pfarramtliches Attest erhielt. Dieses bestätigte seinen katholischen Glauben, seinen guten Leumund und berechtigte zum rechtmäßigen Wegzug aus der Heimatpfarrei – eine Voraussetzung für die Aufnahme in die habsburgischen Siedlungsgebiete.
Wie viele Auswanderer schloss er sich einer Gruppe aus seiner Heimatregion an. Der Weg führte zunächst nach Ulm, wo die Reisenden in die sogenannten „Ulmer Schachteln“ (s. Bild oben) stiegen, einfache Holzboote, die sie donauabwärts in die neuen Ansiedlungsgebiete brachten. Die Fahrt war lang, eng und krankheitsanfällig; dennoch überwog die Hoffnung auf bessere Lebensbedingungen.
In den Wiener Auswanderungslisten erscheint er als „Göckel, Frantz“, eingetragen am 14. Mai 1765 mit der Herkunftsangabe „Bilstein aus dem Kölnischen“. Diese Bezeichnung verweist auf den Verwaltungsbezirk, nicht auf seinen tatsächlichen Heimatort Felbecke.
In den Wiener Auswanderungslisten ist auch der 47-jährige Stephan Degenhardt aus Menkhausen-Berghof mit seiner Familie verzeichnet. Auch ihn führte die wirtschaftliche Not zur Auswanderung. Er war gerade mal 14 Jahre alt, als die Eltern ihren Hof in Niederberndorf verloren. Die Quellen deuten darauf hin, dass der Hof schon zuvor in schlechtem Zustand war: In der Kopfschatzliste erscheint der Eintrag, dass die Mutter nach dem Tod des Vaters betteln gehen musste, während der neue Besitzer später als vollspänniger Meyer[1] mit solidem Viehbestand geführt wird.
Stephan wurde zum Beilieger – einem landlosen Mitbewohner ohne eigene wirtschaftliche Grundlage – in Menkhausen-Berghof. Diese prekäre Lage erklärt, warum er sich der Gruppe nach Tschanad anschloss.


Leben im Banat
Von Wien aus gelangte Johann Franz Gockel in das Banat und wurde in Tschanad, am Fluß Marosch, angesiedelt. Bereits am 9. Juli 1765 heiratete er in der katholischen Pfarrkirche vor Ort Gertrud Heimes, Tochter des Friedrich Heimes aus dem Kirchspiel Wormbach. Die Eheschließung zeigt, dass viele Auswanderer aus derselben Region auch im Banat wieder Gemeinschaften bildeten. Die österreichische Verwaltung förderte bewusst die Ansiedlung von Menschen gleicher Herkunft, um Sprache, Glauben und Bräuche als stabilisierende Faktoren zu nutzen.
Die ersten Jahre waren hart: Wälder mussten gerodet, Sümpfe trockengelegt und Felder urbar gemacht werden. Das feuchte Klima begünstigte Fieberkrankheiten, insbesondere die Sumpfmalaria. Naturkatastrophen und Missernten erschwerten den Aufbau einer neuen Existenz, und viele Kolonisten verloren Angehörige oder gaben ihre Siedlungen wieder auf.

