Text: Sabina Butz
Beitrag zu unserem Artikel „Epochen“

Der Name Preußen geht auf den baltischen Volksstamm der Prußen zurück. Aus dem mittelalterlichen Ordensstaat entwickelte sich im 17. und 18. Jahrhundert ein zunehmend zentralisierter und militärisch geprägter Staat.

1701 krönte sich Kurfürst Friedrich III. zum König in Preußen (als Friedrich I.). Im 18. Jahrhundert wurde Preußen unter Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II. zu einer der führenden Militärmächte Europas.

1871 entstand unter Wilhelm I. und Otto von Bismarck das Deutsche Reich, in dem Preußen der dominierende Staat war.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Preußen ein demokratischer Freistaat innerhalb der Weimarer Republik.

1947 lösten die Alliierten den Staat Preußen endgültig auf.

Das Sauerland unter preußischer Herrschaft (ab 1815)

Nach der Niederlage Napoleons ordnete der Wiener Kongress (1815) die politischen Grenzen Europas neu. Preußen erhielt große Gebiete am Rhein und in Westfalen.

Damit wurde das gesamte Sauerland – sowohl das ehemalige kurkölnische Herzogtum Westfalen als auch das märkische Sauerland – Teil der neuen preußischen Provinz Westfalen.

Konfessionelle Situation

Preußen war traditionell protestantisch, das Sauerland dagegen katholisch geprägt. König Friedrich Wilhelm III. garantierte den neuen katholischen Untertanen ausdrücklich den Schutz ihres Glaubens. In der Praxis blieb Preußen jedoch ein protestantisch dominierter Staat: höhere Beamtenstellen wurden bevorzugt mit Protestanten besetzt, der Staat griff in die Ausbildung von Priestern und die Verwaltung kirchlichen Besitzes ein, kirchliche Feiertage und Prozessionen wurden aus wirtschaftlichen Gründen teilweise eingeschränkt. Die Bevölkerung reagierte oft skeptisch und misstrauisch auf die neuen evangelischen Obrigkeiten.

Alltag und Konflikte

Besonders belastend war die Wehrpflicht, die bäuerlichen Familien wichtige Arbeitskräfte kostete. Auch die Eingriffe in religiöse Bräuche führten zu Spannungen.

Arnsberg als preußisches Zentrum

Im neuen Regierungsbezirk Arnsberg entstand ein klassizistisches Preußenviertel, gebaut von protestantischen Beamten, die einen neuen Verwaltungsstil und einen ungewohnten Lebensstil in die Region brachten. Arnsberg wurde zum Verwaltungszentrum der preußischen Provinz Westfalen.

Reformen und Modernisierung

Trotz aller Spannungen profitierte das Sauerland erheblich von preußischen Reformen: Gewerbefreiheit, Bildungsreformen, Ausbau der Verwaltung, Modernisierung der Infrastruktur.

Das Misstrauen gegenüber den „Preußen“ blieb jedoch im kollektiven Gedächtnis der Region lange erhalten.



Lesen Sie hierzu auch unsere Berichte

Quellen:
LWL – Westfälische Geschichte 
Preußen in Westfalen, Provinz Westfalen, Wiener Kongress
Historisches Lexikon Westfalens 
Artikel: Preußen, Provinz Westfalen, Regierungsbezirk Arnsberg, Katholizismus in Westfalen
Stadtarchiv Arnsberg: Preußenviertel, Verwaltungsaufbau ab 1816
Stadtarchiv Meschede / Brilon
Franz Tenhagen: Geschichte des Herzogtums Westfalen
Wilhelm Kohl: Das Herzogtum Westfalen
Heinz Duchhardt: Der Wiener Kongress
Magdalena Padberg: Als wir preußisch wurden
planet-wissen.de

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