Als Ostwig beinahe zum Industrieort wurde

Ostwig:  Pferde und ein Kamin, der niemals rauchte

Text: Christel Zidi
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung

Fuhrwerke polterten durch das Dorf, fremde Arbeiter tauchten auf, Baumaterial stapelte sich an Wegen. Südlich des Dorfes entstand eine riesige Baustelle: Hier sollte die Friedrich-Wilhelm-Hütte entstehen[1].

Mit den Menschen kamen die Tiere. Pferde, die für den Transport im Ramsbecker Bergbaurevier angeschafft worden waren, wurden auch in Ostwig untergebracht. Ihr Schnauben, das Klirren der Geschirre, das Stampfen der Hufe – all das gehörte nun zum ungewohnten Klang des Dorfes. Ostwig, das kleine Dorf an der Elpe war auf dem Weg, ein Industrieort zu werden.

Was für eine enorme Veränderung: Noch 1828 hatte Ostwig gerade einmal 19 Häuser und 263 Einwohner. Nun sollte der Ort innerhalb kürzester Zeit Teil eines Industrieprojektes werden, dessen Ausmaße im Sauerland bis dahin kaum vorstellbar waren.

 Ostwig als Teil des geplanten „Westfälischen Kaliforniens“

Ausgangspunkt des Aufschwungs waren die Blei- und Zinkerzvorkommen rund um Ramsbeck. Bergbau wurde dort bereits seit Jahrhunderten betrieben. Doch was Anfang der 1850er Jahre geplant wurde, stellte alles bisher Dagewesene in den Schatten.

1851 hatte der Rheinisch-Westfälische Bergwerksverein zu Arnsberg die Grubenfelder übernommen. Wenig später richtete der französische Marquis de Sassenay sein Augenmerk auf Ramsbeck. Er leitete die Gesellschaft für Bergbau und Zinkfabrikation zu Stolberg, deren Kapital überwiegend aus Frankreich stammte.

De Sassenay dachte in großen Dimensionen. Das Ramsbecker Revier sollte zu einem Industriezentrum von europäischem Rang ausgebaut werden. Neue Gruben, Aufbereitungsanlagen, Straßen, Hütten und Wohnsiedlungen wurden geplant und teilweise innerhalb weniger Monate begonnen.

Bergleute kamen unter anderem aus dem Wittgensteiner Land, dem Siegerland, aus Sachsen und dem Harz. Neue Siedlungen wie Neu-Andreasberg, Heinrichsdorf und Alexander entstanden. Im Spätherbst 1854 beschäftigte das Unternehmen bereits rund 2.000 Menschen. Auch Ostwig sollte eine wichtige Rolle in diesem neuen Industriegebiet übernehmen.

Bild oben: Fernsicht auf Ostwig / links oben ist der Rauchgaskamin zu sehen
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