Transportpferde für das Revier
Das Unternehmen hatte allerdings ein gewaltiges Problem: den Transport. Eine Eisenbahn gab es in Ostwig und Ramsbeck noch nicht. Der nächstgelegene Bahnanschluss befand sich im rund 50 Kilometer entfernten Lippstadt. Erze, Baustoffe und andere Güter mussten deshalb über Straßen transportiert werden.
Mehr als 30 Kilometer neue Straßen wurden angelegt. Gleichzeitig baute das Unternehmen einen großen Fuhrpark auf. Eine Veröffentlichung der Geographischen Kommission für Westfalen nennt 275 Pferde.
Ostwig erhielt dabei eine besondere Funktion. Hier wurde eine große Pferdehaltung für den Güterverkehr der Gruben und Hütten eingerichtet. Zum geplanten Werkskomplex gehörte neben der Pferdehaltung auch ein Ochsenstall. Ochsen waren zwar langsamer als Pferde, eigneten sich aufgrund ihrer Zugkraft jedoch besonders für den Transport schwerer Lasten.
Wie viele der Pferde tatsächlich in Ostwig standen, lässt sich bislang nicht feststellen. Die Größenordnung des gesamten Fuhrparks lässt jedoch erahnen, welchen Aufwand allein die Versorgung der Zugtiere erforderte. Pferde und Ochsen brauchten Futter und Wasser, mussten untergebracht und versorgt werden. Wagen und Geschirre waren instand zu halten, Pferde mussten beschlagen werden und für die Transporte wurden zahlreiche Fuhrleute benötigt.
Ein Industriegebiet am Rand des Dorfes
Doch die Stallungen waren nur ein Teil dessen, was in Ostwig entstehen sollte. Auf einer etwa 14 Hektar großen Fläche südlich des damaligen Dorfes wurde mit dem Aufbau eines umfangreichen Industriekomplexes begonnen. Sein Mittelpunkt sollte die Friedrich-Wilhelm-Hütte werden – eine Blei- und Silberhütte.
Die Dimensionen waren gewaltig. Zusammen mit einer weiteren Hüttenanlage bei Ramsbeck sollte sie große Mengen Erz verarbeiten. Für die Friedrich-Wilhelm-Hütte in Ostwig und die zweite Hüttenanlage bei Ramsbeck waren zusammen 52 Röstöfen und 24 Hochöfen vorgesehen. Einzelne Hallen sollten eine Länge von bis zu 80 Metern erreichen.
Zum Komplex sollten außerdem Einrichtungen wie ein Magazin, eine Schmiede sowie ein Verwaltungsgebäude mit Kasino gehören. Gleichzeitig begann man 1854/55 in Ostwig mit dem Bau von zehn Häusern mit zehn Wohnungen. Aus dem kleinen Dorf sollte innerhalb kürzester Zeit ein Industrieort werden, so der Plan.

