Text: Christel Zidi
Beitrag mit erzählerischen Ergänzungen

Ein „nahe und fern bekannten Tabackshändler“ – als solcher wurde Anton Beulke in der Todesanzeige im Mescheder Kreis-Blatt bezeichnet. Er starb am 16. Januar 1867 im Alter von 76 Jahren. Seine Lebensgeschichte schrieb der Fredeburger Lehrer Ignaz Gördes (1802–1884) nieder – die Geschichte eines Mannes aus der untersten sozialen Schicht des Sauerlandes. In seiner rund zwanzigseitigen plattdeutschen Handschrift „Kuiken Hahne“ schildert Gördes das Leben Anton Beulkes mit bemerkenswerter Menschlichkeit.

„Kuiken Hahne“ ist weit mehr als eine humorvolle Dorfgeschichte. Die Handschrift eröffnet einen seltenen Einblick in den Alltag der Armen im Sauerland des 19. Jahrhunderts. Bettelgänge, Tagelohnarbeit, kleine Handelsgeschäfte und soziale Ausgrenzung beschreibt Gördes dabei nicht mit Verachtung, sondern mit Anteilnahme. Gerade darin liegt deren besonderer Wert: Sie bewahren den Blick auf einen Menschen aus der ärmsten Bevölkerungsschicht, ohne ihm seine Würde zu nehmen. Anton Beulke erscheint als verletzlicher, eigenwilliger und zugleich liebenswerter Mensch – als jemand, der trotz bitterer Armut versucht, sich Würde, Humor und Lebensfreude zu bewahren.

Die Geschichte des „Kuiken Hahne“ wurde später von seinem Schwiegersohn Gottfried Hahne, einem Mundartautor, erneut aufgegriffen. Bei ihm erscheint die Figur vor allem als schlagfertige Schwankgestalt. Ganz anders dagegen die Darstellung von Friedrich Albert Groeteken, katholischen Geistlichen, Lehrer, Historiker und Heimatforscher, der in Fredeburg gewirkt hatte. In seinem Beitrag aus dem Jahr 1922 macht er aus Anton eine unsympathische Spottfigur, Armut erscheint dort als Faulheit, Überlebenskunst als Gier.

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