Nacherzählung des „Kuiken Hahne“ in Kurzfassung nach Ignaz Gördes
Um 1800 zog im Amt Fredeburg eine mittellose Bettlerin namens Hanne mit ihren beiden Kindern umher. Da sie keinen festen Wohnsitz besaß, übernachtete sie in Scheunen, Ställen oder im Wald. Als sie schwer erkrankte, richteten Bauern aus Altenilpe ihr ein altes Backhaus – das sogenannte „Haiten-Backhäuschen“ – als Unterkunft her.
Weil Hanne ständig mit ihren Kindern unterwegs war, erhielt sie im Volksmund den Spitznamen „die Henne“. Ein spöttischer Schneider nannte die Jungen daraufhin „Küken“. Später wurde aus dem älteren Sohn „der Hahn“ und schließlich „Kuikenhahne“. Dieser Name hing sein ganzes Leben lang an Anton.

Weil Hanne ständig mit ihren Kindern unterwegs war, erhielt sie im Volksmund den Spitznamen „die Henne“. Ein spöttischer Schneider nannte die Jungen daraufhin „Küken“. Später wurde aus dem älteren Sohn „der Hahn“ und schließlich „Kuikenhahne“. Dieser Name hing sein ganzes Leben lang an Anton.
Nach dem frühen Tod der Mutter mussten sich die beiden Jungen allein durchs Leben schlagen. Sie verdienten ihr Essen durch Betteln, kleine Arbeiten und traditionelle Bräuche. Zwischen Weihnachten und Neujahr gingen sie als Sternsinger durchs Land, zu Fastnacht verrichteten sie kleine Dienste für Essen oder ein paar Münzen.
Während der jüngere Bruder später vermutlich nach Amerika auswanderte, blieb Anton in seiner Heimat. Er zog mit einer Ziege durch die Dörfer, erledigte Botengänge und versuchte, bei Hochzeiten, Taufen oder Beerdigungen etwas zu essen zu bekommen. In Arpe erzählte man sich sogar, er habe an einem Morgen sieben Schüsseln Suppe gegessen.
Später begann Anton einen kleinen Wanderhandel mit Strangtabak. Er kaufte die Ware in Bilstein und verkaufte sie in den umliegenden Dörfern weiter. Obwohl manche ihn verdächtigten, beim Wiegen zu betrügen, betont Gördes ausdrücklich, dass Antons Unehrlichkeit niemals bewiesen wurde. Vielmehr beschreibt er ihn als grundsätzlich ehrlichen Menschen, der lediglich versuchte zu überleben.
Am stärksten litt Anton unter seinem Spitznamen. Überall verspotteten ihn die Menschen, krähten wie Hähne oder riefen ihm „Kuikenhahne“ hinterher. Oft reagierte er wütend und schlug mit seinem Stock um sich. Selbst Beschwerden bei den Behörden blieben erfolglos. Erst als Freunde ihm rieten, die Hänseleien einfach zu ignorieren, verlor der Spott langsam seine Wirkung.
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