Besonders liebevoll beschreibt Gördes Antons Ehe mit Christine, einer armen Kuhmagd, vermutlich aus Hesborn. Mit den Worten: „Herr Pastor, zu einem Hahn gehört auch eine Henne – ich will freien!“ bittet Anton den Pfarrer um die Trauung.
Obwohl beide kaum Besitz hatten, bereiteten sie ihre Hochzeit mit großer Sorgfalt vor. Das alte Backhaus wurde geweißelt, neues Geschirr angeschafft und einfache Festkleidung gekauft. Nach der Trauung feierten Nachbarn gemeinsam mit dem Paar.
Die Ehe erscheint bei Gördes nicht als komische Episode, sondern als stilles Glück zweier Menschen, die trotz großer Armut füreinander sorgen. Während Anton weiterhin durchs Land zieht und kleine Geschäfte macht, arbeitet Christine bei Bauern im Dorf. Gemeinsam schaffen sie sich ein bescheidenes Zuhause.
Fakten über „Kuiken Hahne“
Der Fredeburger Heimatforscher Josef Lauber fand später heraus, dass Johannes Anton 1790 in Dorlar als uneheliches Kind der Schäfertochter Elisabetha Siewers geboren wurde. Die ersten Jahre verlebte Anton in Menkhausen, später besuchte er die Schule in Dorlar. Seine Mutter heiratete mit 41 Jahren den Anton Krämer genannt Risse, Bauer auf dem Rissenhof in Dorlar, und bekam mit ihm noch zwei Söhne. Anton blieb zunächst im Ort und verheiratete sich 1826 mit Anna Christina Kappen aus Hesborn. Vorher hatte er den Familiennamen Beulke mit gerichtlicher Konzession angenommen, nachdem sein Vater festgestellt worden war. Die ersten Jahre verlebte das Paar in Berghausen. Erst 1830 ließen sie sich endgültig in Altenilpe nieder, wo sie im Backhaus wohnten. Die Ehe blieb kinderlos. 1854 erwarb Anton zwei kleine Grundstücke.
Auch wenn sich die Fakten ein wenig von dem unterscheiden, was in der Erzählung von Ignaz Gördes angegeben ist (vielleicht übernahm er einige Dinge nur vom Hörensagen) schuf er doch ein wunderbares Porträt eines Tagelöhners im 19. Jahrhundert.
Quelle:
http://sauerlandmundart.de/pdfs/daunlots%2044.pdf

