Aus dem Leben einer Bergmanns-Familie im 19. Jahrhundert

Heinrichsdorf – das Dorf der Witwen

Text: Christel Zidi
Beitrag mit überwiegend faktenbasierter Darstellung

Es war der Heilige Abend des Jahres 1865, als Peter Jakob und Margarethe Schmidt in Meschede vor den Traualtar traten. Die Braut trug ihr erstes Kind unterm Herzen. Das Paar lebte in Heinrichsdorf, einer jungen Bergarbeiterkolonie, die erst elf Jahre zuvor gegründet worden war. Die meisten Bewohner waren damals einer großen Anwerbeaktion der Stolberger AG gefolgt.

Schon bald wuchs die Familie. Zwei Söhne, Ludwig und Heinrich, wurden geboren. Doch das gemeinsame Leben währte nur wenige Jahre. Peter, der als Bergmann arbeitete, starb am 5. März 1869 im Alter von nur 38 Jahren. Als Todesursache wurde „Nervenfieber“ vermerkt,  eine damals gebräuchliche Bezeichnung für schwere fieberhafte Erkrankungen, häufig für Typhus. Und so wurde Margarethe zu einer jener Frauen, deren Schicksal Heinrichsdorf später einen düsteren Beinamen einbrachte: „Witwendorf“.

Heinrichsdorfs Anfänge

Die Geschichte des Dorfes begann mit den großen Plänen des Generaldirektors Marquis Henry de Sasseney. Mehr als tausend Arbeiter sollten für den Ausbau des Ramsbecker Bergbaus angeworben werden. Für sie entstanden die Kolonien Heinrichsdorf, Andreasberg und Alexander. Bereits Ende Oktober 1854 zogen die ersten Familien in Heinrichsdorf ein. Viele der Bergleute kamen aus dem Erzgebirge und aus den sächsischen Bergbauregionen um Zwickau, Schneeberg und Freiberg.

Doch das groß angelegte Projekt zerbrach rasch. Bereits 1855 folgte der Zusammenbruch der Stolberger Aktiengesellschaft. Viele der angeworbenen sächsischen Familien verließen Heinrichsdorf wieder. Der Bergbau wurde jedoch unter neuer Verwaltung fortgeführt und die leer stehenden Wohnungen fanden bald neue Bewohner.

Foto oben: Postkartenverlag Josef Grobbel© LWL-Medienzentrum für Westfalen

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