Leben in den Bergmannshäusern
Der Alltag in den langgestreckten Bergmannshäusern aus der Franzosenzeit[1] war bescheiden. Sie boten anfangs Platz für jeweils acht Familien – entsprechend beengt waren die Verhältnisse. Später bestanden die Häuser aus jeweils vier Wohneinheiten. Die Häuser bestanden aus Fachwerk auf Bruchsteinsockeln, Lehmziegel und zunächst sogar mit teergetränkter Pappe gedeckte Dächer. Die Toiletten, besser gesagt die Plumpsklos, lagen draußen, das Trink- und Waschwasser musste aus einem Ziehbrunnen außerhalb des Hauses geholt werden.
Zu jeder Wohnung gehörten ein kleiner Stall für Ziegen, Schweine oder Hühner sowie ein Schuppen für Geräte, Futtervorräte und Brennmaterial. Ein Wirtschaftsgarten half, die Familie mit Kartoffeln, Gemüse und Früchten zu versorgen.
Es war ein beengtes, oft ärmliches Leben. In dieser Umgebung musste auch Margarethe nach Peters Tod versuchen, ihre Kinder durchzubringen.
Warum Heinrichsdorf zum „Witwendorf“ wurde
Margarethe war und blieb nicht die einzige Frau, die früh ihren Mann verlor. Die Arbeit der Bergleute, die größtenteils unter Tage beschäftigt waren, war hart und gesundheitsschädlich.
Besonders gefährlich für die Gesundheit der Bergleute war der Staub, der beim Bohren im Gestein entstand. Der feine Gesteinsstaub setzte sich in der Lunge fest und konnte zu einer Silikose, der sogenannten Quarzstaublunge, führen. Eine wirksame Staubbekämpfung durch wassergeführte Bohrtechnik gab es noch nicht. Viele Bergleute erkrankten und starben früh.

Die „Kuh des kleinen Mannes“ gehörte zu Heinrichsdorf: Bis zum Zweiten Weltkrieg wurden im Ort noch 100 bis 150 Ziegen gehalten.
Die Versorgung der zurückbleibenden Familien war schwierig. Die Renten waren gering, und auch die Kinder mussten zum Lebensunterhalt beitragen. Jungen wurden in die sogenannten „Pochbuden“ geschickt. Dort halfen sie dabei, das Erz vom tauben Gestein zu trennen – schwere Kinderarbeit für einen kargen Lohn.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts bestand Heinrichsdorf aus 22 Häusern. 16 davon waren die charakteristischen langgestreckten Bergarbeiterhäuser.
Benannt wurde der Ort nach dem Unternehmer Henry de Sasseney.

