Text: Christel Zidi
Beitrag mit erzählerischen Ergänzungen

Brilon Wald im Jahre 1870

Josephine stand mit den anderen Kindern der neuen Siedlung am Rand der Baustelle und beobachtete die Arbeiter. Bald würde das Bahnhofsgebäude fertig sein. Manchmal stellten sich die Kinder vor, wie schon bald die ersten Züge durch ihren Ort fahren würden – hinaus in die große weite Welt.

Ihre Gedanken wurden unterbrochen, als ihr Bruder Friedrich Wilhelm mit dem kleinen Balthasar an der Hand herbeigelaufen kam. Der Vierzehnjährige schimpfte, weil die Kinder zu nahe an den Baugruben spielten.  Friedel war vernünftig und verantwortungsbewusst – Eigenschaften, die die achtjährige Josephine manchmal nervten. Gleichzeitig war er fürsorglich wie kein anderer. Von ihren vielen Geschwistern war er ihr Lieblingsbruder.

Entscheidung für das  Waldtal

Wer heute durch Brilon-Wald fährt, ahnt kaum, dass Brilon-Wald wohl die jüngste Ortschaft des Hochsauerlandkreises ist. Während die meisten Dörfer der Region ihre Wurzeln im Mittelalter haben und sich aus einzelnen Bauernhöfen entwickelten, entstand Brilon-Wald aus einem völlig anderen Grund: wegen eines Bahnhofs.

Der Bahnhof trug zunächst den Namen Brilon-Corbach. Er sollte nicht nur Brilon, sondern auch die geplante Bahnverbindung nach Corbach (heute Korbach) erschließen – daher die ungewöhnliche Bezeichnung.

Als die Bergisch-Märkische Eisenbahn 1866 die Konzession für die Strecke Schwerte–Warburg erhielt, hoffte Brilon auf einen Bahnhof direkt an der Stadt. Doch die Ingenieure entschieden sich aus Kostengründen und wegen der geringeren Steigungen für die Trasse über Olsberg und den Elleringhauser Tunnel. Damit rückte ein bis dahin nahezu unbesiedeltes Waldtal in den Mittelpunkt der Planungen. Ein Waldtal, das sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem der bedeutendsten Eisenbahnknoten des Sauerlands entwickeln würde.

Foto oben: Karlunun, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

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