Text: Sabina Butz
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung
Ein Frühschoppen gehört im Sauerland bis heute zur allgemeinen Alltagskultur: Nach der Messe, früher nur für Männer, während die Frauen den Sonntagsbraten fertigstellen durften, heute immer noch fest in den Schützenbruderschaften verankert. Geblieben ist: Alkohol gehörte immer dazu. Der Alkoholkonsum im 18. Und 19. Jahrhundert war „alltagstauglich“, er wurde sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich akzeptiert.
Schon im Mittelalter tranken Erwachsene und Kinder als Grundnahrungsmittel täglich Bier. Es war kalorienreich und keimfrei. Der Alkoholanteil lag meist unter 2%. Ursprünglich wurde Alkohol überwiegend als Arzneimittel genutzt; erst im 15. Jahrhundert entwickelte er sich zum Genuss‑ und Rauschmittel. Alkoholbedingtes Fehlverhalten galt – wenn überhaupt – als Charakterschwäche und wurde besonders in höheren Gesellschaftsschichten großzügig toleriert.
Im 18. Und 19. Jahrhundert war der Alkohol, oft aus der Hausbrauerei, ein Überlebensmittel der Armen. Bei Nahrungsknappheit lieferte er Kalorien und bei Hunger, Durst und Erschöpfung wirkte er stimulierend bis betäubend.
Für die Oberschicht (Adel, Beamtentum, wohlhabendes Bürgertum) war Alkohol ein Genussmittel, das neben der medizinischen Anwendung auch einfach nur als „stärkendes“ Mittel zuhause genossen wurde.
Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts änderte sich durch die naturwissenschaftlich‑biologische Medizin die Sicht auf Alkoholkonsum und Missbrauch. Es entstand ein Krankheitsverständnis mit hohem Suchtpotenzial. Seit 1968 ist Alkoholismus in Deutschland offiziell als Krankheit anerkannt.
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