Alkoholbedingtes Fehlverhalten im Beruf

Im ausgehenden 18. Jahrhundert wurde Alkohol im beruflichen Bereich grundsätzlich akzeptiert, wie uns ein Beispiel aus Assinghausen (Olsberg) zeigt: Es ging dort letztendlich um die Zuständigkeit der Gerichte (Staat oder Kirche) und ein alkoholfreudiger Lehrer war nur der Aufhänger.

Lassen wir die Fakten1 sprechen: 1779 zeigte der Pfarrer J. H. Königshoff aus Assinghausen den dortigen Schulmeister, Notarius J. Müller, beim Richter Freusberg an. Die Begründung: Der Schulmeister erscheine täglich „voll besoffen“2 zum Dienst und versorge diesen nicht ordnungsgemäß. Mehrfache Ermahnungen hätten keine Wirkung gezeigt.

Der Lehrer wurde entlassen und musste seine Wohnung räumen. Dabei verbrannte er vorsätzlich das gesamte Schulmobiliar. Zu seinem Nachfolger wurde der Schneider Eßfeld ernannt.

Notarius und Ex‑Schulmeister Müller legte umgehend Einspruch ein – jedoch nicht beim Richter, sondern beim General‑Vikariat in Köln. Unterstützung erhielt Müller vom Freiherrn von Gaugreben, der erklärte, der Pfarrer habe eigenmächtig einen „nichtwissenden und versoffenen Schneider“ als neuen Schulmeister eingesetzt. Im Vergleich zu Müller „saufe“ Eßfeldt doch noch ärger. Ein Argument, das in seiner Logik eher dürftig wirkt.

Das General‑Vikariat in Köln wies 1780 die Beschwerde des Notars Müller kostenpflichtig ab und bestätigte Eßfeld in seinem Amt. Bemerkenswert ist, dass der Alkoholpegel des entlassenen Lehrers als solcher und in seinen Auswirkungen auf die Schülerschaft absolut keine Erwähnung findet. Nicht das Trinken an sich wird bemängelt, sondern allenfalls der Übergenuss, also die Tatsache, dass dieser Lehrer im Vollrausch unterrichtete. Ob er im Umkehrschluss bei einer niedrigeren Promille-Zahl gar nicht aufgefallen wäre, ist eine berechtigte Vermutung.

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Quellen:

  1. Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde, 1919, Bd. 68, Archivbücherei des Hochsauerlandkreises. ↩︎
  2. Föckeler, Norbert: Schulstreit in Assinghausen, Jahrbuch Hochsauerlandkreis 1995, S. 50 ff. Die Sauerländer lieben die klare, eindeutige und verständliche Sprache. ↩︎

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