Kneblinghausen, Stockum und Höingen an der preußischen Telegrafenlinie

Telegraphen: Zeichen auf den Höhen

Telegraphen: Zeichen auf den Höhen

Die Stationen

Die Telegraphenlinie Berling-Koblenz
Quelle: Lencer, CC BY-SA 2.5 via Wikimedia Commons

Die Abstände zwischen den Stationen richtete sich nicht nach Orten oder Verwaltungsgrenzen, sondern vor allem danach, ob von einer Station die nächste zu sehen war. Im Bereich der drei genannten Stationen lagen jeweils ungefähr zehn bis dreizehn Kilometer zwischen den Signalmasten.

Für die Menschen in den umliegenden Dörfern muss der Anblick ungewöhnlich gewesen sein. Auf den Höhen standen Gebäude, aus deren Dächern hohe Signalmasten ragten. An ihnen befanden sich sechs bewegliche Flügel. Zwei Telegrafisten beobachteten mit Fernrohren die Nachbarstation und stellten die dort erkannten Zeichen an ihrem eigenen Mast nach. So wanderte eine Nachricht weiter – Zeichen für Zeichen und Anhöhe für Anhöhe. Die Linie war für staatliche und militärische Nachrichten bestimmt. Für die Bewohner der Dörfer blieb geheim, welche Botschaften da über ihre Köpfe hinweg durch das Land wanderten.

Station 38: Die „Stumpfe Warte“ bei Kneblinghausen

Westlich von Kneblinghausen bei Rüthen auf der sogenannten „Stumpfen Warte“, stand die Station in einer Höhe von knapp 390 Metern. Von hier führte die Nachrichtenkette in Richtung Westen zur Station bei Uelde/Anröchte und in der Gegenrichtung weiter in Richtung Wünnenberg-Haaren. Die Entfernung zur nächsten Station betrug rund 10,6 Kilometer. Auf der „Stumpfen Warte“, von wo aus schon früher das Land beobachtet wurde, blickten nun Telegrafisten durch Fernrohre nach einem ganz bestimmten Punkt am Horizont.

Und sie kamen nicht nur für einige Stunden hierher. Eine Telegrafenstation war Arbeitsplatz und zumindest teilweise auch Lebensraum. Auf der gesamten preußischen Linie waren jeweils zwei Telegrafisten für eine Station vorgesehen. Viele der eigens errichteten Stationsgebäude enthielten deshalb neben dem Dienstraum auch Wohnmöglichkeiten.

Station Nr. 40: „Bischofs Haar“ in Echtrop/Höingen

Die nächste Station trägt in älteren Darstellungen häufig den Namen Echtrop. Ganz korrekt ist das allerdings nicht, denn sie stand in der Gemarkung Stockum, heute Gemeinde Möhnesee. Die verbreitete Bezeichnung „Echtrop“ hat sich dennoch bis heute gehalten. Die Station lag rund 295 Meter hoch; von hier waren es etwa 13 Kilometer bis zur nächsten Station in Höingen.

Der Standort zeigt besonders deutlich, wonach die Planer der Telegrafenlinie suchten. Der Haarstrang bot mit seinen offenen Höhen hervorragende Voraussetzungen für die Sichtverbindungen, auf die das gesamte System angewiesen war. Ein Berg musste dabei nicht besonders hoch sein – entscheidend war der freie Blick zur nächsten Station.

Auch hier spielte sich Tag für Tag dasselbe Schauspiel ab: Einer der Männer beobachtete durch das Fernrohr den fernen Signalmast. Bewegten sich dort die Flügel, mussten die Zeichen erkannt und am eigenen Mast eingestellt werden. Dann konnte die nächste Station sie übernehmen. Eine Nachricht befand sich damit gewissermaßen ständig in Bewegung, ohne dass sich der Überbringer selbst von der Stelle rührte.

Station Nr. 41: „Am Telegraf“ in Höingen

Noch deutlicher hat die Telegrafie ihre Spur in Höingen bei Ense hinterlassen. Station Nr. 41 lag auf etwa 262 Metern Höhe. Die historische Ortsbezeichnung „Am Telegraf“ erinnert bis heute daran, was hier in den 1830er und 1840er Jahren stand. Von Höingen aus ging der Blick einerseits zurück in Richtung Stockum, andererseits weiter nach Westen. Die nächste Station lag rund 10,4 Kilometer entfernt.

Solche Entfernungen erscheinen zunächst erstaunlich. Doch die Telegrafisten beobachteten die Signalmasten nicht mit bloßem Auge. Fernrohre gehörten zur festen Ausstattung der Stationen. Die Anlagen waren so ausgerichtet, dass sich die beweglichen Flügel möglichst deutlich vor dem Himmel abzeichneten.

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