Text: Christel Zidi
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung

Durch den Olsberger Ortsteil Wiemeringhausen fließt die junge Ruhr. Heute verbindet sie die beiden Seiten des Dorfes – doch über Jahrhunderte markierte sie eine bemerkenswerte Trennung. Wie deutlich diese Teilung noch im 19. Jahrhundert war, zeigt die Karte der „Steuer Gemeinde Brunscappel“ von 1830. Darin erscheinen zwei klar getrennte Bereiche: „Gemeinde Wiemeringhausen genannt Böhl“ und „Wiemeringhausen genannt unter der Ruhr“. Die Karte bestätigt, was auch die historischen Überlieferungen nahelegen: Der heutige Ort war noch im 19. Jahrhundert deutlich in Böhl und „unter der Ruhr“ gegliedert. Erst 1858 wurden beide Teile zu einer Gemeinde vereinigt.

Karte Wiemeringhausen/Brunskappel aus den Jahren 1830
Quelle: Hochsauerlandkreis, Abt. Liegenschaften und Vermessung
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Eine Grenze mitten durch Wiemeringhausen

Die Ursachen dieser ungewöhnlichen Zweiteilung reichen weit zurück. Wiemeringhausen gehörte zum Assinghauser Grund – einem Gebiet, in dem sich über Jahrhunderte kurkölnische und waldeckische Herrschaftsrechte überschnitten. Gerade hier bestanden sowohl kurkölnische als auch waldeckische Bindungen, und die Ruhr spielte zeitweise als Grenzlinie eine Rolle. Die später noch erkennbare Teilung Wiemeringhausens dürfte mit diesen älteren Herrschaftsverhältnissen zusammenhängen.

Ausschnitt aus der Karte oben

Als die Karte entstand, war die frühere politische Grenzsituation allerdings längst Vergangenheit. Nach dem Ende des kurkölnischen Herzogtums Westfalen war das Gebiet zunächst an Hessen‑Darmstadt und 1816 an Preußen gefallen. Die alte innere Zweiteilung blieb dennoch bestehen – und ist auf der Karte deutlich zu erkennen. Erst 1858 wurden Böhl und Ruhr vereinigt.

Die Erinnerung an diese Trennung hielt sich erstaunlich lange. Ältere Wiemeringhauser berichten, dass in den 1960er‑ und 1970er‑Jahren beim Osterfeuer auf dem Böhl gelegentlich Material „verschwand“ – gewiss ein Jugendstreich, aber vielleicht auch ein spätes Echo der früheren Dorfgrenze.

Foto ganz oben: Die Ruhr bei Wiemeringhausen
Heinrich Kämpchen, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

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