Die Burg über den alten Gruben
Hoch über dem Dorf, auf der als „Hauslegge“ bezeichneten Anhöhe stand einst eine kleine Burganlage: die Burg Wildenstein. In den bekannten Archiven findet sich nichts darüber, wer sie errichten ließ oder wer dort lebte.
Auffällig ist vor allem ihre Lage, denn rund um die Hauslegge liegen zahlreiche Spuren eines frühen Bergbaus. Ein Diabaszug1, der bei Wildenstein das Ruhrtal durchschneidet, führte in seinen Randbereichen zu Vorkommen von Eisen und Blei – begehrte Rohstoffe, nach denen schon früh gesucht wurde. Noch heute zeugen Pingen, trichterförmige Vertiefungen früherer Abbaustellen, von der Tätigkeit der Bergleute. Ein ausgedehntes Pingenfeld zieht sich von der Deutmecke, einem kleinen Nebenfluss der Ruhr, bis zum Osthang des Sperrenberges. Überliefert ist sogar der ungewöhnliche Name einer Grube: „Schwan und Pelikan“.
Dass in diesem Gebiet spätestens im 17. Jahrhundert tatsächlich Eisen gewonnen wurde, bestätigt eine zeitgenössische Nachricht. Caspar Christian Voigt von Elspe schrieb 1694: „In Calenberg wird Eisen (ferrum) ergraben.“ Der Flurname „Kahlenberg“ findet sich noch im Urkataster am Osthang des Sperrenberges.

Auf der Felskuppe, oberhalb des Hauses, stand einst die Burg Wildenstein
(Foto: Postkartenverlag Josef Grobbel @ LWL- Medienzentrum für Westfalen=
Schützte Wildenstein die Erzgruben?
Ob die Burg Wildenstein unmittelbar mit dem Bergbau zusammenhing, lässt sich nicht beweisen. Doch im Sauerland liegen mehrere alte Befestigungen auffällig nahe bei historischen Bergbaurevieren. Forscher halten es daher für möglich, dass solche Anlagen unter anderem der Kontrolle oder dem Schutz wirtschaftlich wichtiger Erzvorkommen dienten. Auch bei Wildenstein könnte ein solcher Zusammenhang bestanden haben – mehr als eine begründete Vermutung ist es bislang jedoch nicht.
Während die Spuren des Bergbaus im Gelände teilweise bis heute sichtbar sind, erging es der Burg schlechter. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren auf der Hauslegge Reste der Anlage vorhanden. 1916 wurden sie beim Bau einer Jagdhütte weitgehend zerstört. Damit verschwand fast alles, was noch an die mittelalterliche Burg über dem Ruhrtal erinnerte.
Heute bleiben auf der Hauslegge vor allem Spuren und offene Fragen: ein Felssporn, alte Pingen und die Möglichkeit, dass Burg und Bergbau hier einst enger miteinander verbunden waren, als es sich heute noch nachweisen lässt.
Wiemeringhausen wurde erstmals 1321 urkundlich erwähnt. In einer Urkunde über den Verkauf zweier Zinsgüter erscheint der Ort als „Wigmannencusen“ in der Pfarrei Assenkosen.
Quellen:
Chronik von Wiemeringhausen, 1966, Vikar Korte
https://books.ub.uni-heidelberg.de/propylaeum/catalog/
https://www.geographische-kommission.lwl.org
- Diabas ist ein geologisch altes, meist graugrünes Hartgestein vulkanischen Ursprungs. ↩︎

