Die Geschichte des Bierbrauers Friedrich Kenter

Vom Schultenhof kam das Reister Bier

Text: Christel Zidi
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung

Auf dem Schultenhof dürfte es im Jahr 1857 [1] geschäftiger zugegangen sein als sonst. In einem der Wirtschaftsgebäude wurde Platz geschaffen für einen Braukessel, einen Maisch- und einen Zapfbottich. Ein Ofen sollte später das gekeimte Getreide zu Malz trocknen. Selbst eine Wasserleitung wurde angelegt: Vom „Rainspring“ am Südhang des Büemker Berges führte sie hinunter zum Hof.

Hinter all dem steckte der 23-jährige Friedrich Kenter. Der Bauernsohn war nach seinen Wanderjahren nach Reiste zurückgekehrt und hatte eine Idee mitgebracht: Auf dem elterlichen Hof sollte Bier gebraut werden.

Das nötige Wissen hatte Friedrich unterwegs erworben. Nach der örtlichen Überlieferung hatte er in verschiedenen Brauereien gearbeitet und dort das Brauerhandwerk kennengelernt. Sein Vater Adam ließ sich offenbar von den Plänen seines Sohnes überzeugen. 1857 nahm Friedrich Kenter auf dem Hof Kenter-Schulte die Bierherstellung auf.

Der Hof, auf dem die kleine Brauerei entstand, war der Schultenhof. Friedrichs Mutter Theresia entstammte der dort ansässigen Familie Schulte, die bereits im 18. Jahrhundert in Reiste nachweisbar ist. Sein Vater Adam kam aus Heringhausen und heiratete in die Familie ein. Hier wurde Friedrich am 1834 als fünftes Kind und zweiter Sohn geboren. Niemand konnte damals ahnen, dass dieser Bauernsohn einmal Bier für Reiste und die umliegenden Dörfer brauen würde.

Reister Bier findet Abnehmer

Das Bierbrauen war im Sauerland damals keineswegs etwas Außergewöhnliches. Neben größeren gewerblichen Brauereien gab es kleine Haus-, Hof- und Gastwirtschaftsbrauereien. Auch Friedrich braute zunächst auf dem landwirtschaftlichen Hof seines Vaters.

Was dort in vergleichsweise kleinem Rahmen begann, blieb offenbar nicht auf Reiste beschränkt. Das Bier fand auch außerhalb des Dorfes Abnehmer. Pferdefuhrwerke sollen es sogar bis nach Oberkirchen gebracht haben.

Foto oben: Postkartenverlag Josef Grobbel /© LWL-Medienzentrum für Westfalen

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