Text: Sabina Butz
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung
Ein Spaziergang durch Wald und Feld bedeutet heute fast immer eine Begegnung mit einem angeleinten Hund samt Frauchen oder Herrchen. Vor 200 Jahren hätte das Verwunderung bis offene Irritation ausgelöst: Die Landbevölkerung unternahm keine Spaziergänge zur Erholung – körperliche Bewegung war ohnehin reichlich vorhanden. Hunde galten nicht als Begleiter, sondern als Arbeitstiere. Sie bewachten Herden und Höfe und hielten sich genau dort auf, wo sie gebraucht wurden.
Tiere waren im 19. Jahrhundert eindeutig Arbeitskräfte. Sie hatten keine Rechte, keinen Schutz vor der Willkür ihrer Besitzer und führten oft ein hartes Leben. Bis 1990 galten Tiere im deutschen Recht als Sachen. Erst seit § 90a BGB werden sie als Mitgeschöpfe anerkannt – im Zivilrecht gelten jedoch weiterhin die Vorschriften für Sachen, sofern keine speziellen Tierschutzregelungen greifen.
Tiere im Sauerland des 19. Jahrhunderts 1
Eine grobe Einteilung in Wildtiere und Haustiere (unterteilt in Nutz‑ und Heimtiere) ergibt für das Sauerland folgendes Bild:
Wildtiere
Nachdem der Bär bereits im 17. Jahrhundert verschwunden war, wurde 1811 der letzte Wolf und 1875 der letzte Luchs erlegt. Übrig blieben Rotwild, Rehe, Wildschweine, Marder, zahlreiche Vogelarten und Fische. Diese Tiere dienten vor allem den jagdlichen Interessen des Adels.
Haustiere (Nutztiere)
Pferde, Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine, Hühner und weiteres Geflügel bildeten die Grundlage der landwirtschaftlichen Wirtschaftskraft.
Rinder und Pferde waren die wichtigsten Nutztiere: Rinder lieferten Milch und Fleisch und dienten – ebenso wie Pferde – als Zugtiere. Ihr Wohlergehen war ausschließlich aus wirtschaftlichen Gründen relevant; ihr Befinden wurde kaum beachtet oder bewusst ignoriert. Tiere waren „Sachen“, deren Schutz sich allein aus ihrer ökonomischen Bedeutung ergab.
Bild: Microsoft Copilot

