Text: Christel Zidi
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung
Das Taubenhaus von Oelinghausen
Das Taubenhaus auf dem Wirtschaftshof des ehemaligen Klosters Oelinghausen gehört zu den ungewöhnlichsten Wirtschaftsgebäuden des Sauerlands. Es entstand vermutlich zwischen 1900 und 1920 – also lange nach der Säkularisation – auf dem inzwischen im Besitz der Familie von Fürstenberg befindlichen Gutshof. Das Gebäude wurde aus Naturstein auf kreisförmigem Grundriss errichtet. Hohe Rundbogenöffnungen, ein zurückgesetztes Fachwerk-Obergeschoss und das weit auskragende, achtseitige Schieferdach verleihen ihm ein repräsentatives Erscheinungsbild. Den eigentlichen Taubenschlag bildet der verschieferte Dachaufsatz mit seinen mehrgeschossigen Einflugöffnungen.
Vom Klostergut zum Fürstenberger Gutshof
Der Wirtschaftshof selbst geht auf das Jahr 1381 zurück und gehörte über Jahrhunderte zum Prämonstratenserinnenkloster Oelinghausen. Nach der Säkularisation ging der Besitz an die Familie von Fürstenberg über. Das heute erhaltene Taubenhaus entstand erst während dieser Zeit.
Weshalb die Familie von Fürstenberg zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen so repräsentativen Taubenschlag errichten ließ, ist bislang nicht bekannt. Das Gebäude macht jedoch deutlich, dass die Taubenhaltung auf dem Gutshof eine gewisse Bedeutung besaß. Heute erinnert das restaurierte Taubenhaus daran, welche Rolle Tauben früher als Nutztiere und – in besonderen Fällen – auch als zuverlässige Nachrichtenübermittler spielten.
Die Nachrichtenübermittlerin
Die Brieftaube zählt zu den heimatverbundensten Tieren der Welt. Dank ihres außergewöhnlichen Orientierungssinns findet sie selbst aus mehreren hundert Kilometern Entfernung zuverlässig zu ihrem Heimatschlag zurück. Eine ähnliche Eigenschaft scheinen viele Sauerländern zu besitzen, die zum Studium oder aus beruflichen Gründen ihre Heimat verlassen – und später doch wieder zu ihrem Heimatort zurückkehren.
Diese Fähigkeit der Taube machte sie über viele Jahrhunderte zu einem wichtigen Nachrichtenübermittler. Da die Haltung und Ausbildung von Brieftauben mit Aufwand verbunden war, blieb sie meist wohlhabenden oder einflussreichen Einrichtungen vorbehalten. Herrscher, Militärs, Kaufleute und später sogar Nachrichtenagenturen nutzten sie, um Botschaften schnell und zuverlässig zu übermitteln
Taubenzucht im Sauerland
Wer nun vermutet, dass Brieftauben auch im Sauerland regelmäßig als Nachrichtenboten dienten, irrt. Zumindest größere Taubenschläge und Taubenhäuser waren dem Adel, Klöstern und anderen Grundherren vorbehalten. Zumindest für einen regelmäßigen Einsatz von Brieftauben als Kommunikationsmittel gibt es bislang jedoch keine eindeutigen Quellen. Der regelmäßige Einsatz von Brieftauben setzte voraus, dass am Zielort ein eigener Heimatschlag vorhanden war. Deshalb eigneten sie sich nur für bestimmte Verbindungen und konnten das allgemeine Postwesen nie ersetzen.
Die Taubenzucht spielte aber aus anderen Gründen in vielen Klöstern des Mittelalters und der frühen Neuzeit eine wichtige – und zwar eine wirtschaftliche Rolle. Die Zahl der Nistlöcher galt nicht selten als Zeichen des Wohlstands eines Klosters.
Der Nutzen der Tauben lag in ihrer Versorgung der Klostergemeinschaft. Vor allem die Jungtauben lieferten Fleisch, der Taubenkot war ein begehrter Dünger für Gärten und Felder, und die Federn wurden sowohl für Bettzeug als auch als Schreibfedern verwendet.
Einer der ältesten nachweisbaren Brieftaubenvereine im Sauerland ist der Verein „Heimatliebe Neheim“, der am 9. Januar 1910 gegründet wurde. Älter ist noch der Brieftauben-Liebhaberverein „Sauerlandia“ Meschede, gegründet im Jahr 1902 .
Bild oben: Das Taubenhaus im Wirtschaftshof des Klosters Oelinghausen wurde zwischen 1900 und 1920 errichtet. Den Wirtschaftshof gibt es schon seit 1381. Nach der Säkularisation gehörte das Kloster der Familie von Fürstenberg.
Foto: Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Gehrmann

