Nachrichtenboten – Tauben exklusive
Vor 1800 wurden Nachrichten im Sauerland überwiegend durch Boten zu Fuß oder zu Pferd übermittelt. Landesherren setzten berittene Kuriere ein, Klöster beschäftigten eigene Klosterboten, und Kaufleute nutzten ihre Handelsverbindungen für den Nachrichtenaustausch.
Mit der Einrichtung regelmäßiger Postverbindungen durch die Kölner Kurfürsten – die Thurn-und-Taxis-Post kam erst später – wurde der Nachrichtenverkehr deutlich beschleunigt. Eine wichtige Route führte über Paderborn, Geseke, Hirschberg und Arnsberg. In den letztgenannten beiden Orten hielt sich Erzbischof und Kurfürst Ernst von Bayern (1583–1612) besonders gern und häufig auf. Der leidenschaftliche Jäger fand hier ausreichend Wald und damit Wild vor. In Hirschberg lernte er auch seine Geliebte Gertrud von Plettenberg kennen, für die er später den Landsberger Hof in Arnsberg errichtete. Ob er seiner Geliebten während seiner Reisen gelegentlich eine Brieftaube schickte, bleibt eine reizvolle, aber unbelegte Spekulation.
Ernst von Bayern war zugleich Bischof von Lüttich, Münster und Hildesheim und legte großen Wert auf eine zuverlässige Verbindung zu seinen weit verstreuten Herrschaftsgebieten. Seine umfangreiche Korrespondenz ist gut dokumentiert. Im Fest- und Heimatbuch „1000 Jahre Geseke“ wird berichtet, dass später eine wöchentlich verkehrende Botenpost eingerichtet wurde. Sie führte von Hildesheim über Horn (Lippe), Paderborn, Geseke, Hirschberg und Arnsberg bis nach Köln. Für diese Strecke standen drei Boten zur Verfügung. Einer von ihnen brach sonntags in Hildesheim auf und erreichte Köln erst am folgenden Samstag oder Sonntag. Nach dem Austausch der Schriftstücke kehrte er zurück und traf rund zwei Wochen später wieder in Hildesheim ein.
Für die einfache Bevölkerung dürften dagegen Wanderhändler, Kaufleute, Metzger und andere reisende Gewerbetreibende häufig die Aufgabe von Briefboten übernommen habe, auch wenn dies in den regionalen Quellen nicht ausdrücklich erwähnt wird.
Obwohl Brieftauben im Sauerland kaum eine Rolle spielten, blieben sie weltweit bis ins 20. Jahrhundert hinein unverzichtbare Nachrichtenboten. Selbst die Nachrichtenagentur Reuters setzte sie ein, und noch in beiden Weltkriegen retteten sie als gefiederte Meldegänger unzählige Menschenleben.
Tauben wurden je nach Zeit und Zweck in speziellen Körben oder Käfigen transportiert und gelangten durch Händler, Reisende, Boten oder Soldaten über verschiedenste Wege an ihren Einsatzort, später sogar per Eisenbahn, Auto oder im Militär mit Fahrzeugen und Flugzeugen. Dort schrieb man die Nachricht auf einen kleinen Papierstreifen, steckte ihn in eine leichte Kapsel und befestigte diese am Bein der Taube, die anschließend selbstständig zu ihrem Heimatschlag zurückflog. Weil Brieftauben ausschließlich zu ihrem eigenen Schlag zurückkehren, benötigte man für eine beidseitige Kommunikation jeweils Tauben aus dem Schlag des anderen Partners.

