Text: Christel Zidi
Beitrag mit überwiegend faktenbasierter Darstellung

„Im Jahre des Herrn 1728, den 23. Februar, habe ich mich aufgrund der mir vom kurfürstlichen Richter Flöcker in Brilon erteilten Kommission nach Rixen begeben …“

Mit diesen Worten beginnt der Bericht des kaiserlichen Notars Johannes Andreas Brandenburg. Sein Auftrag war eigentlich einfach: Er sollte das ursprüngliche Schatzungsverzeichnis des Dorfes überprüfen. Doch in Rixen war das alte Kataster nicht mehr vorhanden.

So blieb Brandenburg nichts anderes übrig, als sich die Größe der Hofstellen und die Höhe ihrer Schatzung von den Einwohnern aus der Erinnerung schildern zu lassen. Ohne es zu ahnen, hat er uns damit einen ganz besonderen Einblick in die Geschichte des kleinen Dorfes hinterlassen.

Rixen das Neudorf

Rixen gehört zu den wenigen Orten des Hochsauerlandes, die mindestens zweimal wüst gefallen sind. Bereits im Spätmittelalter wurde die ursprüngliche Siedlung aufgegeben. Als der Ort 1536 wieder in den Quellen erscheint, wird er bezeichnenderweise als „Rixenn das Neuwdorf“ bezeichnet – als neues Dorf also, das nach einer Zeit der Verwüstung wieder entstanden war.

Doch der Neubeginn sollte nicht von Dauer sein. Während des Dreißigjährigen Krieges mussten die Bewohner den Ort 1634 erneut verlassen. Erst 1652 kehrten wieder Menschen zurück und begründeten mit nur drei Hausleuten[1] den zweiten Neubeginn des Dorfes. Aus diesen wenigen Höfen entwickelte sich bis zum Jahr 1837 wieder ein kleines Dorf mit 17 Häusern.

Als Notar Brandenburg im Februar 1728 nach Rixen kam, lebten dort bereits wieder zehn Familien. Je nach Größe der Hofstelle war der Schatzungsbetrag unterschiedlich hoch – wie es auch heute noch bei der Steuer ist.  Mit zehn Hofstellen[2] hatte sich der Ort nur wenige Jahrzehnte nach seiner Wiederbesiedlung zu einer lebendigen Dorfgemeinschaft entwickelt.¹

Der Schultenhof von Rixen

Eine besondere Stellung nahm der heutige Müller-Hof ein. Er ist der alte Schultenhof des Dorfes. Der Schulte war im mittelalterlichen Westfalen weit mehr als ein gewöhnlicher Bauer. Er verwaltete den Besitz des Grundherrn, zog Abgaben und Pachten der kleineren Höfe ein und gehörte zur ländlichen Oberschicht.

Dass der Hof seine besondere Stellung über Jahrhunderte hinweg bewahrte, zeigt ein Eintrag im Traubuch des Jahres 1771. Dort wird Franz Müller ausdrücklich als „Schulte in Rixen“ bezeichnet. Gemeinsam mit Maria Catharina Niggemann aus Rixen wurde er am 17. Juni desselben Jahres durch den hochwürdigen Herrn Pfarrer von Brilon getraut.

Bemerkenswert ist die kirchliche Zugehörigkeit des Hofes. Während die übrigen Höfe des Dorfes zur Pfarrei Brilon gehörten, gehört der Müller-Hof bis heute als einziger Hof Rixens zur Pfarrei Scharfenberg. Bereits im Jahr 1360 werden Zehntrechte der Herren von Scharfenberg in Rixen erwähnt. Ob sich diese Rechte bereits damals auf den späteren Schultenhof bezogen, lässt sich zwar nicht mit letzter Sicherheit nachweisen, vieles spricht jedoch dafür.

Foto: Teta, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

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