Text: Christel Zidi
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung

Wenn am Abend auf dem Medebacher Marktplatz Ruhe einkehrt, sitzt er noch immer da – der Schuster aus Bronze. Den Hammer fest in der Hand, den Blick auf den Schuh gerichtet, als würde er jeden Augenblick den nächsten Nagel einschlagen. Er wirkt, als sei er nur für einen Moment erstarrt – als würde er gleich wieder den Draht festziehen, die Sohle prüfen, den nächsten Schuh zur Hand nehmen.

Die Bronzeskulptur, die seit 2018 auf dem Medebacher Marktplatz steht, erinnert an das, was Medebach über Jahrhunderte geprägt hat: Landwirtschaft, Handwerk und Handel.

Schon im Mittelalter auf Fernhandel ausgerichtet

Wer beim Stichwort Handel stutzt, wird erst recht überrascht sein: Die kleine Hansestadt verfügte bereits vor mehr als 850 Jahren über weitreichende Handelsbeziehungen. Eine Urkunde aus dem Jahr 1165 gewährt den Bürgern umfangreiche Handelsrechte und regelt sogar einen besonderen Fall: Wenn ein Bürger einem anderen Geld anvertraute, damit dieser in Dänemark, in die Rus[1] oder in ein anderes Land Handel trieb, mussten Zeugen hinzugezogen werden.

Dieser Satz in der Urkunde verrät Erstaunliches: Medebacher Kaufleute waren schon im 12. Jahrhundert Teil überregionaler Handelsnetze.

Welche Waren die Medebacher Kaufleute handelten, verrät die Urkunde allerdings nicht. Ob darunter bereits Schuhe waren, lässt sich heute nicht belegen.

Wenig später taucht mit Godefridus de Medebeke erstmals ein Mann Medebacher Herkunft in einer Lübecker Urkunde auf. Bereits 1175 wird er als einer der Bürger Lübecks genannt. Ob er Kaufmann war, sagt die Quelle zwar nicht, doch seine Anwesenheit in der wichtigsten Ostseehandelsstadt jener Zeit unterstreicht die engen Verbindungen Medebachs zum Fernhandel.

Im 14. Jahrhundert werden weitere Medebacher im Ostseeraum, insbesondere im heutigen Estland, greifbar: Um 1340 erscheint Johannes de Medebeke als Bürger von Dorpat (heute Tartu in Estland). Eine Urkunde von 1347 nennt außerdem Henricus Medebeke als „consul Revalensis“, ein hohes städtisches Amt in der Hansestadt Reval (heute Tallinn).

Vom Fernhandel zum Handwerk

Wann sich Medebach zu einer Stadt der Schuhmacher entwickelte, lässt sich nicht genau bestimmen. Sicher ist lediglich, dass bereits im Mittelalter Leder verarbeitet wurde und das Handwerk eine wichtige Rolle spielte. Ob damals schon größere Mengen Schuhe hergestellt wurden, bleibt offen.

Erst im frühen 17. Jahrhundert treten die Schuhmacher deutlich aus den Quellen hervor. Die erste urkundlich gesicherte Erwähnung ihrer Zunft stammt aus dem Jahr 1604. Anlass war ein Streit mit einem Wrasenmeister[2], der nach Ansicht der Schuhmacher Arbeiten ausführte, die den Weißgerbern vorbehalten waren.

1641 ließ sich die Schuhmacherzunft ihre Ordnung bestätigen. Darin erklärten ihre Mitglieder, ihre Gemeinschaft bestehe bereits seit „100, 200 oder noch mehr Jahren“. Beweisen lässt sich diese Angabe zwar nicht, doch sie spricht dafür, dass die Wurzeln der Organisation deutlich älter waren.

Nach ihrer eigenen Überlieferung bildeten die Schuhmacher zunächst eine Bruderschaft, die später gemeinsam mit den Loh- und Weißgerbern zu einer Zunft vereinigt wurde. Die Zunft besaß sogar eine eigene Lohmühle, in der Eichenrinde für das Gerben der Häute gemahlen wurde.

Foto oben. Ferdinand Hodler, Public domain, via Wikimedia Commons

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