Text. Sabina Butz
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung
Eine vermögende und attraktive Witwe galt zu allen Zeiten als begehrte Partie – dafür finden sich Belege, seit es Geschichtsschreibung gibt. Im Sauerland erzählt die regionale Überlieferung eine besonders dramatische Legende, die sich im 11. Jahrhundert im damaligen Grascap (heute Grafschaft) abgespielt haben soll.
Skandal in der High Society
Die adlige Edelfrau Chuniza, die dem Erzbischof Anno II. von Köln Ländereien für das spätere Kloster Grafschaft übertrug, habe dies – so die Sage – nicht allein aus wirtschaftlichen Gründen getan. Zuvor soll sie insgesamt sieben Ehemänner auf mysteriöse Weise verloren haben. Ein solcher Serienfall könne kein Zufall sein, heißt es, da müsse sie nachgeholfen haben. Und wie jede gute Legende liefert sie gleich die passende Deutung: Am Ende siegt das Gute. Die Witwe bereut ihre Taten und vermacht der Kirche Grund und Boden für ein Kloster.
In Wahrheit geht es in dieser Erzählung weniger um die angeblichen Missetaten einer mächtigen Adligen, sondern um die Erklärung der Entstehungsgeschichte des Klosters Grafschaft. Ein später so bedeutendes Kloster braucht – so die Logik der Legendenbildung – eine entsprechend spektakuläre Vorgeschichte. Ein einzelner Gattenmord reicht da nicht aus, es müssen sieben sein.
Bild oben: Kloster Grafschaft 1830 (public domain by wikimedia commons)

