Die Fakten

Der Name Chuniza (auch Chunika, Kuniza, Cuniza, Kunne) ist eine Kurz- und Koseform von Kunigunde. Er leitet sich vom Althochdeutschen kunni (Sippe) und gund (Kampf) ab – also „Kämpferin für ihre Sippe“ oder „tapfere Beschützerin“. Im frühen Mittelalter war der Name weit verbreitet.

Anno II (1)

Bild links: Anno II. mit Modellen von ihm gestifteter Klöster, unter ihnen auch Grafschaft.

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Chuniza war mit hoher Wahrscheinlichkeit eine einflussreiche Persönlichkeit des 11. Jahrhunderts im Sauerland. In den Urkunden erscheint sie als matrona oder nobilis – Bezeichnungen, die ausschließlich Frauen des höheren Adels vorbehalten waren. Ihr umfangreicher Grundbesitz bestätigt diese Stellung. Sie verhandelte die Landabgabe mit Erzbischof Anno II., einem der mächtigsten Reichsfürsten seiner Zeit, der Geschäfte ausschließlich mit dem Hochadel tätigte. Chunizas Sohn Thimo (oder Tiemo) wird ebenfalls erwähnt, doch die Verfügungsgewalt dürfte bei der Mutter gelegen haben.

Über Chunizas Herkunft ist wenig sicher. Sie wird dem Geschlecht der Gisonen zugeordnet, einem Gaugrafengeschlecht, das vom 11. bis frühen 12. Jahrhundert in Nord- und Mittelhessen nachweisbar ist.

Mehr wissen wir nicht. Spätere Überlieferungen schreiben ihr eine Burg auf dem Wilzenberg zu und dichteten ihr nicht nur die Beseitigung von sieben Ehemännern an, sondern auch die Flucht nach Entdeckung ihrer Taten sowie schließlich die große Reue, die zum Verkauf des späteren Klostergeländes geführt habe. Gesichert ist allein: Chuniza und ihr Sohn Thimo verkauften das Gelände an Erzbischof Anno II.

Legenden und Fakten

Was bleibt also? Chuniza war im 11. Jahrhundert eine mächtige und einflussreiche Frau im Gebiet des heutigen Grafschaft – schon das ist für die Zeit bemerkenswert. Die Legendenbildung spiegelt die zeitgenössische Vorstellung wider: Eine solche Frau muss außergewöhnliche Lebensumstände gehabt haben. Die sieben vergifteten Ehemänner dienen als erzählerische Voraussetzung für die spätere umfassende Reue, die schließlich zur Gründung der Benediktinerabtei Grafschaft führte – dem bedeutendsten mittelalterlichen Kloster im Sauerland.

Weiterführende Literatur:
LWL – Westfälische Geschichte
Nierhoff, Joachim: Sagenhaftes Sauerland

Seiten: 1 2

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