Text: Christel Zidi
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung

Wer die Hofanlage von Kirchlinde erreicht, begegnet einem Ort, an dem sich die Geschichte Holzens seit über tausend Jahren ablesen lässt. Zwischen den historischen Hofgebäuden, der kleinen Kapelle und dem sanft ansteigenden Erdwall scheint die Zeit langsamer zu vergehen. Die beiden alten Glocken der Kapelle – eine aus dem 13., die andere aus dem 14. Jahrhundert – zählen zu den ältesten Zeugnissen dieses Ortes und erinnern daran, dass hier seit Jahrhunderten Menschen lebten, arbeiteten und beteten.

Die Anfänge

Kirchlinde, das zur Stadt Arnsberg gehört, war nie ein geschlossenes Dorf, sondern bestand aus wenigen großen Bauernhöfen am Oberlauf des Bieberbachs. Bereits 1019 erscheint der Haupthof in einer Urkunde der Benediktinerabtei Deutz – der Beginn einer schriftlichen Überlieferung, deren Bedeutung weit über die heute sichtbaren Gebäude hinausreicht.

Der Schultenhof und die Hofanlage

Der spätere Schultenhof war weit mehr als ein Bauernhof: Er bildete das Zentrum einer mittelalterlichen Villikation, einer mittelalterlichen Hof- und Verwaltungseinheit mit mehreren umliegenden Höfen. Von hier aus wurden Abgaben eingezogen, die Bewirtschaftung der zugehörigen Höfe organisiert und die Aufgaben der Grundherrschaft wahrgenommen.

Mit dem Übergang der Villikation an das Kloster Oelinghausen im Jahr 1221 begann ein neues Kapitel. Kirchlinde blieb fast sechs Jahrhunderte eng mit dem Prämonstratenserinnenkloster verbunden. Zwar löste sich die Villikation im späten Mittelalter allmählich auf und die Höfe wurden einzeln verpachtet, doch der Schultenhof blieb Mittelpunkt der Bauerschaft.

Diese herausragende Stellung spiegelt sich bis heute in der außergewöhnlich gut erhaltenen Hofanlage wider. Der fast vollständig erhaltene Hofverband ist noch heute von seinem historischen Erdwall umgeben und zählt zu den eindrucksvollsten bäuerlichen Ensembles Westfalens. Das heutige Gebäudeensemble entstand überwiegend zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert.

Zum Hof gehören Wohnhaus und Altenteil ebenso wie Speicher, Schmiede, Schafstall und Feldscheune. Hinzu kommen ein Kalkofen sowie die Reste eines Ziehbrunnens. Der zweigeschossige Bruchsteinspeicher von 1711 und die Schmiede[1] von 1670, die zugleich als Backhaus diente, erinnern an die Geschichte des Hofes. Zu den markantesten Wirtschaftsgebäuden zählt die langgestreckte Feldscheune von 1829 mit der Inschrift des Ehepaars „Bauerdick/Hake“.

Der Erhalt dieser Gebäude war keineswegs selbstverständlich. Erst in jüngerer Zeit wurde die große Feldscheune umfassend restauriert. Das geschädigte Holztragwerk wurde gesichert, die Giebel mit unbehandeltem Lärchenholz erneuert und das Dach wieder mit roten Tonziegeln gedeckt. So bleibt ein bedeutendes Zeugnis westfälischer Baukultur auch für kommende Generationen bewahrt.

Und so finden Sie Kirchlinde (direkt südlich der Oelinghauser Heide):

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Foto oben: Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Gehrmann

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