Die Kapelle von Kirchlinde
Die Kapelle von Kirchlinde wird 1147 erstmals erwähnt und kam 1221 gemeinsam mit der Villikation an das Kloster Oelinghausen. Ihr Patron war der selten verehrte Heilige Tryphon aus Kappadokien (heute Anatolien/Türkei). In der Barockzeit wurde die Kapelle erneuert und neu ausgestattet. Erhalten blieben unter anderem das Kreuz aus der Zeit um 1150 sowie mehrere Altarreliefs.
Nach der Säkularisation verfiel die Kapelle und wurde um 1815 abgebrochen. Die Familie „Schulte-Bauerdick“ errichtete eine kleinere neue Kapelle und übernahm wichtige Ausstattungsstücke. Erhalten blieb auch das romanische Tympanon – die Reliefplatte über der ehemaligen Eingangstür –, das zwei Tiere zeigt, die sich unter einem Kreuz verneigen.
Die heutige Kapelle steht leicht erhöht über der Hofanlage. Im Inneren befinden sich ein barockes Altarretabel mit einem Verkündigungsrelief sowie ein tragbarer Beichtstuhl. Die beiden Glocken stammen aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Südlich der Kapelle liegt der ehemalige Friedhof, der an die Menschen erinnert, die hier über viele Generationen lebten und arbeiteten.
Kirchlinde heute
Wer heute durch die Hofanlage geht, begegnet nicht nur historischen Gebäuden. Zwischen Erdwall, Kapelle und alten Wirtschaftsgebäuden ist ein Ort erhalten geblieben, an dem sich die Geschichte Kirchlindes über mehr als tausend Jahre hinweg bis heute ablesen lässt.
Der historische Hofverband Kirchlinde steht heute unter Denkmalschutz. 2018 unterstützte die Denkmalpflege des Landes Nordrhein‑Westfalen die umfassende Restaurierung der großen Feldscheune finanziell und fachlich. Dabei wurden das geschädigte Holztragwerk gesichert, die Giebel erneuert und das Dach mit Tonziegeln wiederhergestellt – ein wichtiger Beitrag zur Bewahrung dieses außergewöhnlichen bäuerlichen Ensembles.
[1] Das Schmiedehandwerk wurde auch auf anderen Klosterhöfen in der Umgebung – den Höfen Hake Wettmarsen und Schmidt-Danne Dahlsen – in eigenen Werkstätten ausgeübt.

