Die frühen Schmiede Neheims – 1543
Die Geschichte der Neheimer Schmiede begann jedoch lange vor Schmiedemeister Friedrich. Bereits mehr als zweihundert Jahre zuvor, im Jahr 1543, standen zwei Schmiedemeister vor Bürgermeister und Rat der Stadt Neheim: Dederich Cleinsmydt und Herman Konyngk. Sie ließen sich bestätigen, „daß das Handwerk der Schmiede mit allen Gerechtigkeiten belehnt wurde“ – Zunftrechte, wie sie auch Schneider und Bäcker besaßen.
Zwischen Cleinsmydt und Friedrich liegen viele Generationen, deren Namen heute kaum noch bekannt sind. Die Kontinuität des Handwerks ist jedoch deutlich spürbar: Über Jahrhunderte blieb die Schmiede ein unverzichtbarer Bestandteil des Stadtlebens. Dieselben Geräusche – das Prasseln des Feuers, das rhythmische Schlagen des Hammers und das Klingen des Eisens auf dem Amboss – prägten vermutlich schon die Welt jener Meister, die im 16. Jahrhundert ihre Rechte vor dem Rat verteidigten.

im 19. Jahrhundert Franz und Christian Bönner.
Gut möglich, dass beide Verwandte des Schmiedes Heinrich Bönner aus Neheim
waren und sich die Schmiede im Hinterhof befand. (Foto: Christel Zidi)
Was die beiden Männer damals vor dem Rat der Stadt verteidigten, war mehr als ein Handwerksrecht. Es war die Ordnung einer ganzen Lebenswelt: Wer Schmied werden durfte, wer Lehrlinge aufnehmen konnte und wer das Recht hatte, am Feuer der Esse zu arbeiten. Die Schmiede waren nicht nur Handwerker – sie waren ein unverzichtbarer Teil der städtischen Gemeinschaft.
Vom Schmiedehandwerk zur Metallindustrie
Das alte Schmiedehandwerk bildete eine der Grundlagen für die spätere Metallindustrie Neheims. Ein Beispiel dafür ist der Schmied Friedrich Lipperheide, der 1866 sein Testament in Neheim gemacht hat. Im Adressbuch von 1898 erscheint der Name Lipperheide als Firmeneintrag für die Metallwarenfabrik Lipperheide & Hering. Gut möglich, dass die Firma seine Nachfahren gegründet haben.
Aus dem handwerklichen Können der Schmiede entwickelte sich im 19. und 20. Jahrhundert eine leistungsfähige Metallverarbeitung, aus der schließlich auch die bedeutende Neheimer Leuchtenindustrie hervorging. Kenntnisse in der Eisenbearbeitung, der Werkzeugherstellung und der Feinmechanik schufen dafür wichtige Voraussetzungen und prägten die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt weit über das eigentliche Schmiedehandwerk hinaus. Genau diesen Übergang vom Schmiedehandwerk zur Industrie zeigt das Museum WERK NEHEIM (Hilsmannweg 23a).
„Herman Konyngk und Dederich Cleinsmydt bekennen vor Bürgermeister und Rat der Stadt Neheim, daß das Handwerk der Schmiede (gleich den Schneidern und Bäckern der Stadt) mit allen Gerechtigkeiten belehnt wurde.“
Aus: Arnsberg Urkunden 02 – 0020 1543 29./9. (Michaelis Archangli dach)
Ein echtes, erhaltenes Schmiedegebäude aus dem 17. Jahrhundert kann man im Schultenhof in Kirchlinde (Ortsteil Holzen) besichtigen. Allerdings nur von außen, denn Gebäude und Grund sind in Privatbesitz.
*In dem Beitrag wurde der Vorname Friedrich nach dem Neheimer Schmiedemeister Friedrich Sina genannt. Sina (1752-1838) übte seinen Beruf bis ins hohe Alter von fast neunzig Jahren aus. Ob er im Neheimer „Strohdorf“ tätig war, ist nicht überliefert.
Quellen:
https://www.digibib.genealogy.net/viewer/image/00000180CGD_1898/1/LOG_0003/
Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
Justizamt, Land- und Stadtgericht Arnsberg / Testamente

