Text: Christel Zidi
Beitrag mit erzählerischen Ergänzungen
Noch bevor die Stadt erwachte, war das rhythmische Schlagen des Hammers auf dem Amboss zu hören. Der Blasebalg fachte das Schmiedefeuer unablässig an und ließ die Kohlen hell aufglühen, bis das Eisen die richtige Hitze erreicht hatte. Schlag für Schlag formte sich das glühende Metall unter der geübten Hand des Schmiedes. Der Geruch von Kohle, Rauch und heißem Eisen gehörte ebenso zum Viertel wie die Stimmen der Händler, das Klappern der Wagenräder und das Rufen der Handwerker.
Die alte Schmiede
Die kleine, rußgeschwärzte Werkstatt in der Mendener Straße sicherte ihm den Lebensunterhalt. Schmiedemeister Friedrich* hatte das Handwerk von seinem Vater gelernt – und dieser vermutlich von seinem. Ein großer Teil seiner Kundschaft bestand aus Fuhrleuten, Händlern und Reisenden, die an der nur einen Steinwurf entfernten Poststation Halt machten.
In seiner Werkstatt fertigte er Hufeisen, beschlug Pferde und Wagen, reparierte Werkzeuge und erledigte all die kleinen Eisenarbeiten, ohne die eine Stadt nicht funktionieren konnte.
Feuer, Eisen und die Kräfte der Natur
Doch der Beruf des Schmieds war für die Menschen früherer Zeiten mehr als nur ein Handwerk. Wer eine Schmiede betrat, sah nicht allein einen Arbeitsplatz, sondern einen Ort, an dem sich Feuer und Eisen begegneten. Aus einem unscheinbaren Stück Metall, das aus der Erde gewonnen worden war, entstand unter Hitze und Hammerschlägen etwas Neues.
Diese Fähigkeit, das Feuer zu beherrschen und einen so widerspenstigen Werkstoff wie Eisen zu formen, verlieh dem Schmied eine besondere Stellung. In den Vorstellungen vergangener Jahrhunderte lag über seinem Handwerk etwas Geheimnisvolles. Nicht, weil der Schmied ein Zauberer gewesen wäre, sondern weil sein Wissen um Material, Hitze und Formgebung für viele Menschen kaum begreifbar erschien.
Der Schmied beherrschte die Kräfte der Natur: die Erde, aus der das Erz stammte, das Feuer der Esse, das Wasser zum Abschrecken und die Luft, die das Schmiedefeuer durch den Blasebalg entfachte. Aus diesem Zusammenspiel entstand ein Handwerk, das seit Jahrhunderten zwischen Können, Erfahrung und einer fast ehrfürchtigen Bewunderung stand.
Bild oben KI-generiert by ChatGPT

