Text: Christel Zidi
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung
Als der Kölner Kurfürst Gebhard Truchseß von Waldburg 1582 mit der katholischen Kirche brach und Agnes von Mansfeld heiratete, erschütterte dies das Erzstift Köln. Sein Übertritt zum Protestantismus führte zu politischen und religiösen Konflikten und schließlich zum Kölnischen Krieg. Viele Zeitgenossen sahen darin ein Zeichen für den Zerfall vertrauter Ordnungen.
Zölibat und kirchliche Kontrolle
Das Konzil von Trient (1545–1563) reagierte auf die Reformation, bekräftigte den verpflichtenden Zölibat, untersagte Priestern jede Ehe oder jedes Konkubinat und verpflichtete die Bischöfe zu regelmäßiger Kontrolle und Ahndung von Verstößen.
Auch im Sauerland traten Spannungen zwischen kirchlichen Normen und lokaler Praxis deutlich zutage.
Im Aufsatz von Julia Börger, „Visitationen – Kampf gegen ’spitzbübische‘ Gepflogenheiten Sauerländer Kirchspielleute“[1], wird berichtet, dass 1615 die Visitatoren eigens einen Boten beauftragten, „die ehebrecherische Hausfrau des Johan Rodthövede zu Remblinghausen sowie die Konkubinen des dortigen Pfarrers und der Pfarrer von Rahrbach, Dorlar und Eversberg festzunehmen“.
Die Behörden gingen gezielt gegen Verstöße vor: Pastor Daniel aus Dorlar zum Beispiel wurde zu 50 Reichstalern Strafe verurteilt, seine Konkubine sollte mehrere Stunden lang durch den Büttel an den Pranger gestellt werden.
Ein „merkwürdiges Aktenstück“
Pfarrer Dornseiffer, der Ende des 19. Jahrhunderts die Geschichte Eslohes niederschrieb, stieß auf „ein merkwürdiges Aktenstück“ aus der Zeit um 1611. Vordergründig betraf es einen Streit um einen Kotten, der ursprünglich zum Pastorat gehörte. Spannend wird es bei dem, was Dornseiffer zwischen den Zeilen erkennt: „Je mehr man dasselbe liest, desto mehr gewinnt man den Eindruck, dass Pastor Bartholdi, der Nachfolger von Pastor Wilke, etwas weiß und etwas sagen möchte, aber er hält hinter dem Berge, weil er sich schützen wollte.“ Dornseiffer untersuchte daraufhin die 14 Beweisstücke.

