Eine plötzliche Erkrankung
Ende Mai 1828 erkrankte Theodor von Fürstenberg in Neheim schwer. In einer zeitgenössischen medizinischen Beschreibung ist von einem sogenannten „Frieselfieber“ die Rede. Innerhalb weniger Tage verschlechterte sich sein Zustand erheblich. Am 7. Juni 1828 starb Theodor von Fürstenberg in Neheim. Er wurde 56 Jahre alt.
Seit 1793 war er mit Sophia Freiin von Dalwigk-Uchtenfels verheiratet. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor: ein Sohn und drei Töchter.
Ein Sohn setzt dem Vater ein Denkmal
Nach dem Tod Theodors entstand der Wunsch, ihm in Neheim eine besondere Grabstätte zu schaffen. Sein Sohn Franz Egon von Fürstenberg-Stammheim ließ schließlich zwischen 1835 und 1837 auf dem damaligen Neheimer Friedhof ein Mausoleum errichten. Der Bau erhielt später nach dem Verstorbenen den Namen Theodoruskapelle.
Mit der Planung wurde der Kölner Architekt J. Bruère beauftragt, der seit 1835 Vorsteher des Kölner Künstlervereins war. Die Kapelle war weit mehr als eine gewöhnliche Grabstätte. Bruère orientierte sich an antiken Tempelformen. Vor dem kleinen Saal erhebt sich ein von Säulen getragener Giebel, an der Rückseite schließt sich eine halbrunde Apsis an. Unter dem eigentlichen Kapellenraum befand sich die Grabkammer. Kleine runde Öffnungen, sogenannte Okuli, ließen etwas Licht ins Innere fallen.

Über dem Eingang erinnerte eine Inschrift an den Mann, für den die Kapelle geschaffen worden war: Hermann Adolf Theodor Reichsfreiherr von Fürstenberg-Stammheim.
Foto oben: Machahn, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons
Ein außergewöhnliches Bauwerk
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe bezeichnet die zwischen 1835 und 1837 errichtete Kapelle als ein Schlüsselbauwerk für die Geschichte des westfälischen Klassizismus.
Im Giebelfeld befindet sich das Wappen der Familie von Fürstenberg zwischen Akanthusranken. Besonders kunstvoll gestaltet ist auch das gusseiserne Portal mit seinem Reliefschmuck.
Friedhelm Ackermann verglich die Kapelle 1980 in der Zeitschrift Sauerland mit Werken der Berliner Hofbaukunst des frühen 19. Jahrhunderts. Insbesondere die Entwürfe Karl Friedrich Schinkels und seiner Schüler erinnerten ihn an den Neheimer Bau.
Drei Mitglieder der Familie wurden hier bestattet
In der Grabkammer befanden sich ursprünglich die sterblichen Überreste von drei Mitgliedern der Familie von Fürstenberg. Später wurden die Gebeine aus dem Mausoleum entfernt und nach Köln-Stammheim beziehungsweise Herdringen umgebettet. Damit verlor die Kapelle ihre ursprüngliche Funktion als Familiengrabstätte. Ihr weiteres Schicksal sollte sich jedoch erst mehr als 140 Jahre nach ihrer Errichtung entscheiden.
Erinnerung an einen Neheimer Wohltäter
Die Theodoruskapelle erinnert an die Familie von Fürstenberg und an einen Mann, der aus Herdringen stammte, über viele Jahre in Neheim lebte und dort schließlich starb. Vor allem aber erinnert sie an jemanden, der den Neheimern in schwierigen Zeiten zur Seite stand. Seine Hilfe nach dem Stadtbrand von 1807, während der Hungersnot von 1817 und bei der Ruhrepidemie von 1819 blieb offenbar so lange in Erinnerung, dass die Stadt Jahre nach seinem Tod den Bau seines Mausoleums auf dem Neheimer Friedhof gestattete.
Quellen
Friedhelm Ackermann: „Ein Mausoleum geht auf Reisen. Theodoruskapelle Neheim“, in: Sauerland,
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL): Kulturlandschaftlicher Fachbeitrag zur Regionalplanung – Regierungsbezirk Arnsberg, Märkischer Kreis, Kreis Olpe, Kreis Siegen-Wittgenstein.
Horst Conrad: „Theodor von Fürstenberg (1772–1828)“, in: Fürstenberger Skizzen. Streifzüge durch 700 Jahre westfälische Familien- und Landesgeschichte, Schloss Herdringen.Archiv Schloss
Stammheim / Vereinigte Adelsarchive im Rheinland: Bestand „Theodor Freiherr von Fürstenberg (1772–1828)“

