… und was der Kulturkampf für den Küster bedeutete

Die „herrenlose Zeit“ von Eslohe

Seelsorge hinter verschlossenen Türen

Ganz ohne Geistlichen war Eslohe allerdings nicht. Kaplan Bernard Bette hielt sich im Ort auf, weil ihn der Gewerke Ferdinand Gabriel als Erzieher seiner Kinder angestellt hatte. Noch vor Schierhoffs Tod hatte Bette den Pfarrer unterstützt. Danach kümmerte er sich weiter um die Gläubigen. Dornseiffer schrieb später, Bette habe „heimlich und bei verschlossenen Thüren“ weitergewirkt.

Doch die verborgene Seelsorge blieb nicht unentdeckt. Bette wurde angezeigt und musste sich vor dem Schöffengericht in Meschede verantworten. Er wurde zu drei Mark Strafe verurteilt. Die Gerichts- und Fahrtkosten des Gendarmen beliefen sich dagegen auf 45 Mark – das Fünfzehnfache der eigentlichen Strafe. Die letzte Verhandlung fand am 25. Februar 1881 statt.

Langsam kehrt Ordnung zurück

Wenige Tage später änderte sich die Situation. Am 7. März 1881 erhielt Johannes Dornseiffer, damals Vikar in Fretter, die cura primaria für Eslohe, also die Hauptverantwortung für die Seelsorge. Unter seiner Verantwortung konnten Bernard Bette und später Kaplan Köper dort tätig sein. Dornseiffer schrieb rückblickend, sie hätten dies in seinem Auftrag und „auf mein Risiko“ getan.

Ganz beendet war die außergewöhnliche Zeit damit noch nicht. Erst im November 1884 wurde Dornseiffer als Hilfsseelsorger nach Eslohe geschickt. Am 10. Juni 1886 erhielt er schließlich die endgültige Ernennung zum Pfarrer.  

Der Kulturkampf klang inzwischen ab, Staat und Kirche näherten sich wieder an.

Heinrich Harlinghausen blieb noch viele Jahre in Eslohe. Bis 1892 versah er seine Lehrer- und Küsterstelle. Erst nach seinem Ausscheiden wurde darüber verhandelt, Schul- und Kirchenamt voneinander zu trennen.

Der Kulturkampf wird häufig mit Bismarck, Gesetzen, Bischöfen und politischen Auseinandersetzungen verbunden. In Eslohe zeigte sich, wie tief er in das persönliche Leben der Menschen eingriff.

Die im Beitrag gemachten Angaben beruhen überwiegend auf dieser Quelle:
Johannes Dornseiffer: Geschichtliches über Eslohe, 1896.

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