Text: Christel Zidi
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung
Jahrhundertelang stand im Wald bei Arnsberg-Niedereimer eine Eiche von außergewöhnlicher Größe. Menschen wanderten zu ihr, ein preußischer König besuchte sie – und sorgte persönlich dafür, dass sie nicht gefällt werden durfte. Weit über den Ort hinaus war die „Dicke Eiche“ bekannt. Ihr Stamm erreichte zuletzt einen Umfang von rund neun Metern, ihre Krone ragte etwa 21 Meter in die Höhe.
Wie alt der Baum tatsächlich war, lässt sich nicht mehr sicher bestimmen. Ein naturwissenschaftlicher Bericht von 1898 schätzte sein Alter auf 820 Jahre, 1904 ging man von etwa 700 Jahren aus. Sicher ist nur: Schon lange bevor sie vermessen und wissenschaftlich beschrieben wurde, muss die gewaltige Eiche den Menschen aufgefallen sein. Der Überlieferung zufolge wurde sie bereits seit dem 16. Jahrhundert wegen ihrer ungewöhnlichen Größe „Dicke Eiche“ genannt.
64 Festmeter Holz – und trotzdem unantastbar
Genauer in den Blick geriet die Eiche im Jahr 1822, als im Zuge der Markenteilung das Gebiet vermessen wurde. Dabei ging es darum, die Rechte der Dorfbewohner und des Forstfiskus voneinander abzugrenzen. Soweit bekannt, wurde die Dicke Eiche bei dieser Gelegenheit erstmals ausführlicher beschrieben. Auch das preußische Forstamt im nahen Obereimer nahm den außergewöhnlichen Baum unter die Lupe.
Die Berechnungen des Forstmeisters lassen die Dimensionen erahnen: Allein der Stamm enthielt rund 64 Festmeter potenzielles Nutzholz, hinzu kamen etwa 20 Festmeter Derbholz aus Ästen und Zweigen. Ein gewaltiger Vorrat – doch gefällt werden durfte die Eiche nicht.
Als die Markenteilung 1844 abgeschlossen wurde, erhielt die Dicke Eiche einen für damalige Verhältnisse bemerkenswerten Schutz. Zwar blieb sie im Eigentum der berechtigten Dorfbewohner, doch ausdrücklich wurde festgelegt, dass sie weder beschädigt noch gefällt werden durfte. Wer sich darüber hinwegsetzte, dem drohte eine Konventionalstrafe von 100 Talern, die den Armen des Ortes zugutekommen sollte. Zudem musste der Zugang zur Eiche gewährleistet bleiben, und rund um den Baum war eine Freifläche zu erhalten.
Bei einer Spezialteilung im Jahr 1855 wurde dieser Schutz erneut bestätigt. Nun wurde zusätzlich festgelegt, dass ein Weg zur Eiche vorhanden sein musste. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Baum bereits hohen Besuch empfangen.
Foto oben: Luftaufnahme von Wennigloh / Michael Kramer, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

