Unter dem Schutz eines Königs

Die Dicke Eiche von Niedereimer

Die Dicke Eiche von Niedereimer

Der König und die Dicke Eiche

1853 bereiste der preußische König Friedrich Wilhelm IV. erstmals verschiedene Orte im ehemaligen Herzogtum Westfalen. Gemeinsam mit dem späteren Kaiser Wilhelm I. und Otto von Bismarck besuchte er auch die berühmte Eiche bei Niedereimer. Der Baum muss Eindruck hinterlassen haben. Nach seiner Rückkehr nach Berlin beauftragte der König den Maler Wilhelm Klein, ein Bild der Eiche anzufertigen. Der Arnsberger Geschichtsforscher Karl Féaux de Lacroix gab an, dass das Gemälde „soll im Schloss Sanssouci aufgehängt sein“.

Seit diesem Besuch wurde der Baum gelegentlich „Königseiche“ genannt, doch im Alltag blieb die vertraute Bezeichnung bestehen: die „Dicke Eiche“. Friedrich Wilhelm IV. beließ es nicht bei seinem Besuch. Um den außergewöhnlichen Baum dauerhaft zu schützen, kaufte er ihn seinem Besitzer ab und übertrug ihm als Gegenleistung zehn Morgen Wald. Damit stand die Eiche auf ausdrücklichen königlichen Wunsch unter Schutz.

Die Dicke Eiche
Foto: Foto: Heimatblätter, Arnsberger Heimatbund, Heft 19, Public domain, via Wikimedia Commons

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Eiche zu einem beliebten Ausflugsziel. Viele Menschen machten sich auf den Weg, um den mächtigen Baum zu sehen. Nicht alle waren darüber erfreut: Die Waldbesitzer beklagten, dass durch den Besucherandrang umliegende Bäume geschädigt und das Wild vertrieben wurde.

Auch die Eiche selbst zeigte erste Altersspuren. In den 1870er Jahren wurden Verfallserscheinungen sichtbar. 1875 kam es sogar zu dem Versuch, den Baum zu fällen. Der Versuch scheiterte – und führte zu einem langwierigen juristischen Verfahren, das bis zum Obertribunal in Berlin ging. Schließlich wurde der Verursacher zu einer Konventionalstrafe von 500 Talern verurteilt. Die Dicke Eiche blieb stehen.

Neun Meter Stammumfang – und Platz für 24 Kinder

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts beeindruckte der Baum durch seine gewaltigen Maße. Für das Jahr 1904 ist ein Stammumfang von neun Metern überliefert. In einer Höhe von etwa 6,5 Metern teilte sich der Stamm in zwei mächtige Hälften: Die eine war 6,5 Meter lang und hatte einen mittleren Durchmesser von 1,6 Metern, die andere war acht Meter lang und besaß einen mittleren Durchmesser von 1,3 Metern. Insgesamt erreichte die Eiche eine Höhe von 21 Metern.

Doch ihr Ende kündigte sich bereits an. Um 1913 wurden größere Höhlungen im Stamm sichtbar. Während des Ersten Weltkriegs unterblieben kostspielige Maßnahmen, mit denen der Baum möglicherweise hätte erhalten werden können. Die Höhlung wurde schließlich so groß, dass darin 24 Kinder gleichzeitig Platz fanden – ein eindrucksvolles Bild, zugleich aber ein Zeichen des fortgeschrittenen Verfalls.

In den folgenden Jahren verlor die Eiche immer mehr von ihrer Gestalt. Schließlich standen nur noch ein mächtiger Baumstumpf und wenige Äste. Trotzdem gehörte sie noch 1923 zu den dicksten bekannten Eichen Deutschlands und wurde in einem Atemzug mit besonders mächtigen Exemplaren bei Ratibor und Ibbenbüren genannt.

Das Ende der Dicken Eiche

Dann kam der 23. August 1923. An diesem Tag brannte die Dicke Eiche bis auf wenige Überreste nieder. Als Ursache wurde Brandstiftung vermutet. Für Hinweise auf den Täter wurde eine Belohnung ausgesetzt – doch er konnte nicht ermittelt werden. Damit endete nach Jahrhunderten die Geschichte eines Baumes, der weit mehr gewesen war als nur eine ungewöhnlich große Eiche.

Ganz verschwunden ist die Dicke Eiche dennoch nicht. Als der damaligen Gemeinde Niedereimer 1959 ein eigenes Wappen verliehen wurde, erhielt der berühmte Baum darin einen festen Platz. Eine mächtige Eiche erinnerte fortan an jenen Baum, zu dem einst Ausflügler strömten und dessen Erhaltung sogar einem preußischen König ein persönliches Anliegen gewesen war.

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