Brandgefahr als existenzielle Bedrohung

Die Brandversicherung 1778 in Brilon

Text: Sabina Butz
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung

Hausbrände gehörten im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit zu den größten Lebensrisiken – neben Krieg, Krankheit und Naturkatastrophen. Ein abgebranntes Wohnhaus bedeutete fast immer den sozialen Absturz der gesamten Familie, da Mittel für den Wiederaufbau fehlten. Nachbarschaftshilfe war zwar üblich, aber weder einklagbar noch verlässlich.

Ab dem 16. und 17. Jahrhundert entstanden erste Brandgilden, deren Mitglieder sich gegenseitig bei Brandschäden unterstützten. Im späten 17. und 18. Jahrhundert folgten öffentlich‑rechtliche Brandkassen. Die älteste bekannte ist die Hamburger Feuerkasse von 1676, die als Vorläufer moderner Versicherungen gilt und heute als Teil des Provinzial‑Konzerns weiterbesteht.

Die Situation im Sauerland im 18. Jahrhundert

Im Sauerland dominierten im 18. Jahrhundert Fachwerkhäuser, nur wenige Gebäude waren massiv gemauert. Das hohe Brandrisiko entstand durch: stark ausgetrocknetes Holz, brennbare Gefachfüllungen (Stroh, Lehm, Flechtwerk), Hohlräume in Wänden und Decken, Strohdächer, die in vielen Orten üblich waren, enge Bebauung in Städten, oft Wand an Wand.

Die Löschtechnik war äußerst begrenzt: lederne Feuereimer, Brandhaken, Leitern, selten einfache Handpumpen. Löschwasser war nicht immer verfügbar.

Großbrände verwüsteten ganze Orte. Brilon wurde im 18. Jahrhundert viermal schwer getroffen. Auch Schmallenberg und Hirschberg (heute Kreis Soest) erlitten verheerende Brandkatastrophen.

Ab etwa 1770 beschäftigten sich die Landstände des Herzogtums Westfalen intensiv mit der Frage, wie man diese Schäden systematisch begrenzen könne – u. a. durch eine Brandversicherung.

Foto oben: KI-generiert mit Microsoft Copilot

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