Deutung der Steine durch Bernhard Bahnschulte

Knapp zweihundert Jahre später besuchte der Sauerländer Heimatforscher Bernhard Bahnschulte erstmals diesen Ort. Ein Förster hatte ihn auf die sogenannten „Teufelssteine“ aufmerksam gemacht.

Bahnschultes Deutung wich deutlich von den bisherigen Vorstellungen ab. Weder sah er in den Steinen einen Opferaltar noch ein dämonisches Relikt, sondern ein funktionales Bauwerk.

Seiner Ansicht nach wurde der umgestürzte Stein bewusst schräg ins Bachbett gesetzt. Gemeinsam mit dem zweiten Stein sollte er den Wasserlauf lenken – gezielt in Richtung eines etwa 30 Meter bachabwärts gelegenen Wehrs. Eine mögliche Trägerplatte ist heute durch dichten Bewuchs verborgen, doch die seitlichen Stützsteine an den Ufern sind noch erkennbar.

Für Bahnschulte war die Sache eindeutig: Hier wurde der Bach reguliert. Die Konstruktion stand vermutlich im Zusammenhang mit der lokalen Wirtschaft, denn oberhalb lagen einst Kohlgruben1. Im 18. Jahrhundert arbeiteten hier rund 15 Köhler mit ihren Gehilfen.

Die gewonnene Holzkohle diente nicht nur der Eisenverarbeitung vor Ort, sondern wurde in großen Mengen exportiert – ein lukratives Geschäft, an dem auch das Kloster Grafschaft durch Zölle verdiente. Der zugehörige Eisenhammer gilt als erstes Bauwerk in Latrop.

Das ursprüngliche Holzkreuz wurde im Jahr 1862 durch eine steinerne Gedenksäule ersetzt. Diese schrieb Bahnschulte dem Baumeister Michael Spanner zu.

Das Hochkreuz wurde zur Erinnerung an die 1737 erfolgte Gründung von „Neu-Latrop gesetzt.

Foto: Wolfgang Poguntke, CC BY-SA 2.0 DE , via Wikimedia Commons


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