Vom Fronhof zum Familienhof

Der Schultenhof Wulstern

Der Hof findet eine neue Familie

Während viele mittelalterliche Hofstellen im Laufe der Jahrhunderte verschwanden oder mehrfach den Besitzer wechselten, blieb Wulstern über Generationen hinweg Mittelpunkt einer bemerkenswerten familiären Kontinuität. Besitzwechsel erfolgten überwiegend im Rahmen der Erbfolge oder durch Einheirat.

Ein entscheidender Wendepunkt vollzog sich im Jahr 1661. Damals heiratete Theodor Burdick, geboren um 1640 in Olpe, die Hoferbin Catharina Koch genannt Schulte. Mit dieser Ehe gelangte die Familie Burdick – aus der sich später der Name Bauerdick entwickelte – auf den Schultenhof Wulstern. Über mehr als zweihundert Jahre sollte sie die Geschichte des Hofes prägen.

Als zwei Hofgeschlechter zusammenfanden

Die Geschichte des Hofes wurde jedoch nicht allein von der Familie Burdick bestimmt. Bereits im 18. Jahrhundert verbanden sich die Familien Burdick und Kotthoff durch Heirat miteinander und legten damit den Grundstein für die spätere Besitzfolge.

Im Jahr 1772 heiratete der Hoferbe Johann Wilhelm Burdick Maria Margaretha Kotthoff. Aus dieser Ehe ging die nächste Generation der Hofbesitzer hervor. Die Verbindung beider Familien blieb über Jahrzehnte bestehen und festigte die Stellung des Hofes.

Rund ein Jahrhundert später schloss sich der Kreis. Die letzte Burdick-Hoferbin Maria Elisabeth Burdick heiratete 1872 den Landwirt Kaspar Klemens Kotthoff. Mit dieser Ehe ging der Schultenhof Wulstern in den Besitz der Familie Kotthoff über.

Der Name der Familie Burdick beziehungsweise Bauerdick blieb jedoch erhalten. Da sie den Hof über mehr als zwei Jahrhunderte geprägt hatte, wurde der überlieferte Hofname nicht aufgegeben, sondern um den Namen der neuen Besitzer ergänzt. Der bis heute gebräuchliche Name Bauerdick-Kotthoff erinnert somit an beide Familien und bewahrt ihre gemeinsame Geschichte.

Ein Hof, der um sein Recht kämpfte

Die wirtschaftliche Bedeutung des Schultenhofes zeigt sich nicht nur in seiner langen Besitzerfolge, sondern auch in den erhaltenen Gerichtsakten. Ein umfangreicher Rechtsstreit zu Beginn des 18. Jahrhunderts macht deutlich, welchen Wert Besitz- und Nutzungsrechte besaßen und mit welcher Entschlossenheit diese notfalls vor Gericht verteidigt wurden.

Solche Quellen vermitteln heute einen seltenen Einblick in die Rechts- und Lebensverhältnisse eines Sauerländer Schultenhofes der frühen Neuzeit. Sie zeigen zugleich, dass der Hof nicht nur landwirtschaftlicher Betrieb war, sondern auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor innerhalb der Grundherrschaft.

Feuer und Neubeginn

Nach Jahrhunderten nahezu ununterbrochener Entwicklung wurde der Hof von einem schweren Schicksalsschlag getroffen. Im Jahr 1798 zerstörte ein Brand die Hofanlage und machte einen vollständigen Wiederaufbau erforderlich.

An diesen Neubeginn erinnert bis heute die in eine Treppenstufe des Wohnhauses eingemeißelte Jahreszahl 1798. Sie verbindet die archivalische Überlieferung mit der noch erhaltenen historischen Bausubstanz und macht die lange Geschichte des Hofes unmittelbar erlebbar.

Ein lebendiges Zeugnis der Sauerländer Geschichte

Der Schultenhof Wulstern vermittelt heute ein eindrucksvolles Bild der Entwicklung eines Sauerländer Schultenhofes. Die Verbindung aus schriftlichen Quellen, historischer Hofanlage und erhaltenen Bauzeugnissen ermöglicht es, seine Geschichte über mehr als fünf Jahrhunderte nachzuvollziehen.

Quellen:
www.archive.nrw.de
www.ancestry.de, www.familysearch.org
www.matricula-online.de

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