Der Name Fürstenberg
Auch für den Namen des Berges überliefert Seibertz eine Erklärung. Der Fürstenberg sei so genannt worden wegen „sächsischer Fürsten-Versammlungen“, die dort zur Zeit Karls des Großen stattgefunden hätten. Einen gesicherten historischen Nachweis gibt es dafür nicht. Die Deutung zeigt jedoch, wie stark der Fürstenberg schon lange vor Beginn moderner archäologischer Forschung die Vorstellungskraft der Menschen beschäftigte. Die mächtigen Wälle waren sichtbar – doch niemand wusste mehr, wer sie angelegt hatte. Wo das Wissen fehlte, entstanden Erklärungen und Geschichten.

Eine Burg fällt – und entsteht wieder
Nach Seibertz setzte Theodorichs Sohn Reinhard den Ausbau der Burg fort. Dessen Sohn Friedrich von Fürstenberg soll sich 1180 auf die Seite Heinrichs des Löwen gestellt haben, nachdem dieser von Kaiser Friedrich Barbarossa geächtet worden war. Das habe Folgen gehabt: Der Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg zerstörte die Burg und zog einen großen Teil der fürstenbergischen Güter ein. Fast vierzig Jahre habe die Anlage anschließend in Trümmern gelegen.
Erst Hermann, ein Sohn Friedrichs, habe wieder bessere Zeiten erlebt. Er schloss sich dem Kölner Erzbischof Engelbert an, der 1219 auf Hermanns Zureden den Wiederaufbau der Burg veranlasst habe.
Doch auch diese Burg hatte keinen langen Bestand. Hermanns Söhne Wennemar und Friedrich gerieten später gemeinsam mit ihrem Lehnsherrn, Erzbischof Konrad von Hochstaden, in eine Fehde. Während sie abwesend waren, fiel Simon von der Lippe über den Fürstenberg her. Die Burg wurde erobert und erneut zerstört.
Bei diesen frühen Ereignissen ist Vorsicht angebracht. Seibertz verbindet hier Überlieferung, ältere Geschichtsschreibung und historische Nachrichten zu einer fortlaufenden Geschichte. Nicht jede Einzelheit lässt sich heute belegen.
Ein Berg zwischen mächtigen Nachbarn
Im späten 13. Jahrhundert wird der historische Boden fester. Nun geriet der Fürstenberg immer deutlicher in das Spannungsfeld mächtiger Nachbarn: des Kölner Erzbischofs, der Grafen von Arnsberg und der Grafen von der Mark.
Für eine Burg war die Lage nahezu ideal. Von der Höhe aus ließen sich Wege und das umliegende Gebiet überwachen. Vor allem aber war eine Befestigung an dieser Stelle ein weithin sichtbares Zeichen von Herrschaft.
1277/78 ließ der Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg auf dem Fürstenberg eine neue Burg errichten: die Vorstenburg. Sie ist klar von der wesentlich älteren Wallanlage der Oldenburg zu unterscheiden.
Einige Jahrzehnte später beschwerte sich Graf Ludwig von Arnsberg ausdrücklich darüber, dass der Erzbischof auf dem Fürstenberg eine neue Burg errichtet hatte. Für 1295 ist zudem Hermann von Fürstenberg als Burgmann urkundlich belegt. Die neue Burg war damit nicht nur Wohnort von Burgmannen, sondern ein militärischer und politischer Stützpunkt in unmittelbarer Nähe konkurrierender Herrschaftsgebiete.
Ritter, Grafen und Fehden
Schon wenige Jahre später geriet die Vorstenburg in einen Konflikt zwischen Köln und der Grafschaft Mark. 1303/04 wurde sie durch Graf Eberhard von der Mark zerstört. Doch der Kölner Erzbischof wollte auf den strategisch wichtigen Stützpunkt nicht verzichten. Unter Heinrich II. von Virneburg wurde die Anlage ab 1307 wieder aufgebaut.
Dass die Burg bald wieder genutzt werden konnte, ist sogar für einen bestimmten Tag belegt: Am 8. Dezember 1309 hielt sich Erzbischof Heinrich auf dem Fürstenberg auf und stellte dort zwei Urkunden aus.
Die Ruhe währte nicht lange. Bereits 1311 griff Graf Engelbert II. von der Mark die Burg an und zerstörte sie erneut. Doch wieder wurde aufgebaut. Seibertz setzt diesen Wiederaufbau in das Jahr 1312; andere Darstellungen nennen 1313. Sicher ist: Die Burg wurde nach der Zerstörung von 1311 noch einmal errichtet.
Es waren Jahrzehnte, in denen sich die Machtverhältnisse immer wieder verschoben. Köln, Arnsberg und die Mark standen sich nicht einfach als drei dauerhaft verfeindete Lager gegenüber. Bündnisse wurden geschlossen und wieder gelöst. Ein heutiger Gegner konnte morgen zum Verbündeten werden, wenn gemeinsame Interessen dies verlangten. Dabei war eine mittelalterliche Fehde kein bloßer Streit zwischen zwei beleidigten Rittern. Sie war ein anerkanntes Mittel zur Durchsetzung von Ansprüchen – es ging um Herrschaft, Rechte, Besitz und Einfluss. Und mitten in diesem Geflecht lag der Fürstenberg.

