Text: Christel Zidi

Beitrag mit erzählerischen Ergänzungen

Um das Jahr 1840 – manche erinnerten sich später, es sei vielleicht erst 1843 oder 1844 gewesen – legte sich ein düsterer Schatten über Madfeld. Zuerst erkrankte ein einzelnes Pferd, dann ein zweites, und schon bald schien kein Hof im Dorf mehr verschont. Was die Menschen nur noch das „große Pferdesterben“ nannten, riss innerhalb weniger Wochen die Lebensgrundlage der Dorfgemeinschaft auseinander.

Die Tiere, die morgens die Pflüge zogen und abends die schweren Wagen heimführten, fielen plötzlich zusammen. Fieber, Atemnot, eitrige Ausflüsse – die Angst kroch in jede Stube. Niemand wusste Rat. Einige munkelten vom Rotz, einer gefürchteten Krankheit, die damals fast immer tödlich endete. Für die Bauern war jeder Verlust weit mehr als der Tod eines Tieres: Ohne Pferde war es schwer, die Felder zu bestellen, Holz konnte nicht mehr aus dem Wald geholt werden, und die Ernte drohte zu verfaulen. Die Angst vor Hunger und Not legte sich wie ein kalter Mantel über die Dörfer, und manche Familien mussten hilfesuchend zu den Nachbarn ziehen.

Mitten in dieser verzweifelten Zeit lebten Adam Johan Lange und seine Frau Maria Margarethe Schulte. Seit ihrer Hochzeit 1820 hatten sie gemeinsam den Hof bewirtschaftet. Sie kannten die fragile Abhängigkeit von Mensch, Tier und Boden – doch nun spürten sie die Zerbrechlichkeit ihres Lebens noch deutlicher.

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