Die Gründung des Illuminaten-Ordens
Am 1. Mai 1776 gründete Adam Weishaupt gemeinsam mit einem älteren Studenten (dessen Name nicht überliefert ist) den Geheimbund der „Perfektibilisten“, der bald in „Illuminaten“ – die Erleuchteten – umbenannt wurde. Auch der Name „Bienenorden“ war kurz erwogen worden, wurde jedoch verworfen. Ziele des Ordens waren:
- die Förderung der Aufklärung,
- die Bekämpfung von Aberglauben,
- die Kritik an absolutistischer Herrschaft
- sowie die Förderung von Vernunft, Bildung und moralischer Verbesserung.
Obwohl der Orden Vernunft und Aufklärung propagierte, war er als Geheimbund streng hierarchisch organisiert – mit geheimen Rängen und Decknamen (Weishaupt nannte sich „Spartacus“) – und nach innen abgeschottet. Dies stand im Spannungsverhältnis zur Idee von Transparenz und öffentlicher Debatte, die viele Aufklärer forderten. Weishaupt vertrat die Ansicht, dass „Eingeweihte“ die Gesellschaft schrittweise lenken sollten – also keine breite demokratische Bewegung, sondern eine Führung durch eine gebildete Elite.

Faktisch betrieb der Orden auch strategische Machtpolitik, denn die Illuminaten versuchten gezielt, Mitglieder in bestehende Organisationen (z. B. Freimaurer-logen) einzuschleusen und Einfluss auf Verwaltung und Bildung zu gewinnen.
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Symbol des Bundes: Die Eule der Minerva, auf einem Buche sitzend.
Fotoquelle: HawkeyeCZ, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons
Aus heutiger Sicht lässt sich sagen, dass der Illuminatenorden weder eine dämonische Weltregierung noch eine reine Idealistenbewegung war. Er war ein radikal-aufklärerischer Reformbund mit elitären und manipulativen Elementen – eingebettet in die politischen Spannungen des 18. Jahrhunderts. Viele seiner Ziele (Bildung, Vernunft, Kritik am Absolutismus) gelten heute als legitim. Seine Methoden (Geheimstruktur, Unterwanderung) bleiben jedoch umstritten.
In den 1780er Jahren wuchs der Orden rasch, wurde jedoch 1785 von der bayerischen Regierung verboten. Viele Mitglieder gerieten unter Beobachtung, und der Bund löste sich offiziell auf. Bemerkenswert ist, dass Weishaupt für die Organisation seines Ordens ausgerechnet Strukturen der Jesuiten übernahm. Die Illuminaten waren in ihrer Form von Freimaurerlogen inspiriert, verfolgten jedoch weiterreichende Ziele. Die Mitglieder waren zu strenger Geheimhaltung verpflichtet, mussten Berichte über ihre Fortschritte einreichen und unterlagen interner Kontrolle. Weishaupt strebte an, fähige Mitglieder in einflussreiche Positionen zu bringen.
In ihrer Blütezeit – auch durch den Beitritt des Adolph Freiherrn von Knigge – zählte die Gemeinschaft etwa 2.000 Mitglieder, fast ausschließlich aus der gebildeten Schicht. Auch Goethe, Herder und Pestalozzi standen ihr nahe. Ob auch Wolfgang Amadeus Mozart, der Freimaurer war, ebenfalls zum Orden gehörte, ist nicht bewiesen.

