Text: Christel Zidi
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung
Rund um den Borberg, zwischen Olsberg und Brilon-Petersborn, ranken sich zahlreiche Sagen. Man erzählt von weißgekleideten Frauengestalten, die nachts auf dem Kirchhof gesehen worden sein sollen; von Pestkranken, die den Berg als Zufluchtsort aufsuchten und später dort bestattet wurden; von einer mächtigen Ritterburg, die einst über das Land geherrscht haben soll; und sogar von Karl dem Großen, der die Burg als strategischen Punkt genutzt und den Ort mehrfach besucht haben soll. Wie es bei Sagen oft ist: Sie sind gern ausgeschmückt, tragen aber nicht selten ein kleines Quäntchen Wahrheit in sich.
Der Borberg besitzt eine fast mystische Ausstrahlung, der man sich nur schwer entziehen kann. Es fällt leicht, sich vorzustellen, welche Bedeutung dieser Platz einst für die Menschen hatte. Heute zählt die kleine Ringwallanlage mit der Marienkapelle zu den bedeutendsten frühmittelalterlichen Bodendenkmälern des Sauerlands. Noch immer sind die mächtigen Ringwälle, die freigelegten Grundmauern der Kirche, die Toranlagen, der ehemalige Friedhof sowie die oberhalb gelegene Marien‑ bzw. Friedenskapelle sichtbar.
Aufgrund ihrer Bauweise und der archäologischen Funde wird die Wallburg in das 8.–10. Jahrhundert datiert und dem karolingischen bzw. ottonischen Burgenbau zugeordnet. Besonders interessant ist der mögliche Zusammenhang mit der Sachsenzeit und den Sachsenkriegen Karls des Großen. Nach der Unterwerfung der Sachsen ließ Karl ein Netz aus Burgen, Straßen und Kirchen errichten, um das Gebiet zu sichern und zu christianisieren. Vor diesem Hintergrund vermuten Archäologen, dass die Wallburg auf dem Borberg als fränkischer Militärstützpunkt und Kontrollstation an wichtigen Verkehrswegen zwischen Sauerland und Paderborner Raum diente und sich erst später zu einem frühen christlichen Zentrum entwickelte. Ein direkter urkundlicher Beleg dafür existiert jedoch nicht.
Die Wallburg diente vermutlich als frühmittelalterliche Flucht‑ und Stützpunktburg für die Bevölkerung der umliegenden Höfe. Die Befestigung bestand aus einer dreieckigen Hauptburg und einem nördlichen Annex, einer kleinen Vorburg mit Torhaus, die wohl einer späteren Bauphase angehörte. Die Hauptburg verfügte über Torhäuser und einen hölzernen Torturm. Während ihrer militärischen Nutzung war die Anlage vermutlich von einem Erd‑ und Steinwall mit vorgelagertem Graben umgeben. Im Inneren befanden sich wahrscheinlich hölzerne Wohn‑ und Wirtschaftsgebäude, Vorratshäuser, Ställe und Unterkünfte für eine kleine Besatzung.
Foto: Kirchenruine auf dem Borberg / Wggw, CC BY-SA 2.0 DE via Wikimedia Commons

