Text: Sabina Butz
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung

Wenn man heute einen beliebigen Mitmenschen fragt, welche Assoziationen er mit den Begriffen Waldbegräbnis und Sauerland verbindet, dürfte die Antwort nahezu einhellig ausfallen: Gemeint seien damit die sogenannten Friedwald-Bestattungen, die in Deutschland seit gut zwanzig Jahren erlaubt sind – allerdings ausschließlich als Urnenbeisetzungen. Zuvor herrschte allgemeiner Friedhofszwang.

Ganz stimmt das jedoch nicht. Aus einem Eintrag des Pfarrarchivs Oberkirchen (Schmallenberg, Sauerland) wissen wir, dass um 1850 während der großen europäischen Cholerapandemie in abgelegenen Dörfern provisorische Notfall-Waldgräber angelegt wurden. Sie sollten Ansteckungen verhindern und entstanden wohl auch deshalb, weil die Friedhofskapazitäten nicht mehr ausreichten. Diese Gräber galten als unheilig und wurden erst später mit Kreuzen versehen. Die existenziell bedrohliche Situation erzwang damals Waldbestattungen, obwohl sie den kulturellen und kirchlichen Regeln widersprachen.

Begräbnisbräuche im historischen Überblick

Totenkult entwickelte sich in allen frühen Religionen und Kulturen: Ägypter, Parsen, Römer und Perser hatten jeweils eigene, sehr unterschiedliche Bestattungsformen. Die Wurzeln der westfälischen Bestattungskultur liegen im germanischen Bestattungswesen: Ab etwa 50 v. Chr. dominierten dort Feuerbestattungen. Die Wikinger ließen sich teilweise sogar mit ihren Booten bestatten.

Mit dem Niedergang der Antike gingen im Zuge der Völkerwanderung viele Bestattungskulturen verloren. Im Mittelalter übernahm die Kirche die alleinige Ordnung der Beerdigungen. Feuerbestattungen waren über Jahrhunderte streng verboten. Erst Ende des 19. Jahrhunderts zeigten sich zunächst die Protestanten offener; bei den Katholiken wurde die Einäscherung offiziell erst 1963 erlaubt.

Im Mittelalter erfolgten Bestattungen meist noch am Todestag und nach standesrechtlichen Regeln: Gewöhnliche Menschen wurden ohne Sarg auf einem Brett in ihrer Kleidung beigesetzt. Nur Vermögende erhielten einen Sarg, der bis ins 14. Jahrhundert häufig aus Stein bestand.

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