Text: Christel Zidi
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung
Im Herbst 1794 lag eine gespannte Unruhe über dem Rheinland. Französische Truppen rückten auf Köln vor, und im Dom fürchtete man um einen der kostbarsten Schätze der Stadt: die Gebeine der Heiligen Drei Könige, die seit 1164 in Köln verehrt wurden und Pilger aus ganz Europa anzogen. Auch der Dreikönigenschrein und weitere Teile des Domschatzes sollten vor Plünderung und Zerstörung bewahrt werden.
Für den Transport ins Sauerland brauchte man Männer, die mit Pferden, Wagen und den oft rauen Wegen vertraut waren. Einer von ihnen war der Allendorfer Fuhrmann Friedrich Clute-Simon. Im Auftrag des Kölner Domkapitels brachte er wertvolle Teile des Domschatzes und die Reliquien nach Arnsberg. Ziel war das Kloster Wedinghausen, in dem auch das geflohene Kölner Domkapitel Zuflucht fand.
Eine Fahrt, die anders war als alle anderen
Für Clute-Simon muss es eine Fahrt gewesen sein, die sich von seinen gewöhnlichen Fuhren deutlich abhob. Auf den Wagen lagen keine üblichen Handelswaren – kein Getreide, kein Eisen, keine Schieferplatten –, sondern Schätze, die seit Jahrhunderten im Kölner Dom aufbewahrt und verehrt worden waren.
Der Weg führte über alte Handels- und Fuhrwege durch das Sauerland. Steile Anstiege, ausgefahrene Spuren und schlechte Wegstrecken verlangten Pferden und Wagen viel ab. Fuhrleute kannten die Orte, an denen man die Tiere tränken, übernachten oder ein beschädigtes Rad reparieren lassen konnte. Jede Tagesetappe musste sorgfältig geplant werden.
Man kann sich vorstellen, wie Reisende oder Dorfbewohner neugierig schauten, wenn die Fuhrwerke vorbeizogen. Was genau sie transportierten, sollte möglichst wenig Aufmerksamkeit erregen. Schließlich galt es, die kostbare Fracht vor den herannahenden französischen Truppen in Sicherheit zu bringen.
In Allendorf erzählt man bis heute, dass die Gebeine der Heiligen Drei Könige im Hause Clute-Simon übernachtet hätten. Wenn diese Überlieferung zutrifft, beherbergte ein Sauerländer Fuhrmannshaus für eine Nacht Reliquien, die zu den berühmtesten der Christenheit gehörten.

Schließlich erreichte die kostbare Fracht das Kloster Wedinghausen, wo die Gebeine der Heiligen Drei Könige für die kommenden Jahre sicher und würdevoll aufbewahrt wurden.
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Der Schrein selbst blieb allerdings nicht die ganze Zeit in Arnsberg. Als die politische Lage unsicherer wurde, gelangte er über weitere Stationen schließlich nach Frankfurt. Die Reliquien dagegen blieben in Wedinghausen.
In der Nacht zum 29. September 1794 sollen insgesamt 32 zweispännige Fuhrwerke mit ungefähr 400 Kisten, Verschlägen, Tonnen und Bündeln auf die Reise nach Wedinghausen geschickt worden sein.
Die Fahrt für die rund 140 Kilometer soll gut acht Tage gedauert haben
Quelle: Thomas Reich: „1794 – Frankreich treibt Köln nach Westfalen. Die Flucht von Kurfürst und Domkapitel Köln mit Schätzen und Archiven“, in: Westfälische Zeitschrift, Bd. 168, 2018.
Foto ganz oben: CherryX per Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

