Die Entstehungsgeschichte der Antonius-Kapelle auf der Alfert bei Ostwig im Sauerland

„Im alten Ostwiger Gut liegt die Frau des Freiherrn v. Hangsleden schwerkrank darnieder. Der Sturm heult und der starke Regen fegt gegen die Scheiben der Schlafzimmerfenster. Der Gutsherr steht angesichts der Schwerkranken am Fenster und schaut hinaus in das Toben des Unwetters. Regengeladene Wolken jagt der gewaltige Sturm durchs weithin überschwemmte Ruhrtal und stößt auf die große unruhige Wasserfläche. Das Stöhnen der Kranken reißt den Gutsherrn aus seinen schweren Gedanken und er verspricht ihr, schnelle Hilfe zu holen. Den Hut tief über die Stirn gezogen, reitet er zum Tor hinaus, jagt über den schon überfluteten Weg der Stelle zu, wo die Ruhrbrücke stehen muß.

Hochauf spritzt das Wasser unter den Pferdehufen: ‚In ein paar Stunden – so dachte er – werde ich mit dem Arzt aus Brilon zurück sein.‘ Plötzlich stutzt das Pferd und drängt ängstlich zurück. Wo noch vor Tagen die Ruhrbrücke stand, gurgelt und brodelt der reißende Fluß um einige Reste. Mutig und kurz entschlossen stößt er dem zitternden Pferd die Sporen in die Weichen, das sich hoch aufbäumend in die tobende Flut der Ruhr stürzt. Tapfer kämpfen sich Roß und Reiter durch. Doch, schon nahe am rettenden Ufer trifft ein treibender Baumstamm das Pferd. Aufstöhnend versinkt es langsam in den Fluten, dem Gutsherrn gerade noch Zeit lassend, sich aus den Reitbügeln zu lösen. Die reißenden Wellen ergreifen ihn und ziehen ihn fort. Was bedeutet es schon, wenn eine schwache Menschenkraft gegen die Gewalt eines entfesselten Elementes angeht?

In seiner doppelten Not ruft er: ‚Herr, hilf mir und meiner schwerkranken Frau! Ich will dir eine Kapelle hier am Wasser errichten.‘ Der gütige Vater im Himmel hat ein Einsehen. Die Wellen treiben den ermatteten Reiter gegen die angespülte Schuttbank. Er fühlt Boden unter den Füßen und gewinnt müde das sichere Ufer. Später erzählt die Wärterin vom Gutshof, wie die Kranke kurz nach dem Fortreiten des Mannes sehr unruhig geworden sei. Nur mit Gewalt habe man sie im Bett halten können. Dann sei sie plötzlich zurückgesunken und in einen tiefen, erlösenden Schlaf gefallen, der die Wendung zum Besseren gebracht habe.

Freiherr v. Hangsleden hat sein Versprechen gehalten und sein in doppelter Not gemachtes Gelübde eingelöst. Noch heute, nach Jahrhunderten, steht eine Kapelle des hl. Antonius direkt am Ufer der Ruhr.“

Quelle: Hubert Fliege: „Die Entstehungsgeschichte der Antonius-Kapelle auf der Alfert bei Ostwig im Sauerland“, Jahrbuch Hochsauerlandkreis 1991, S. 15 ff.

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