Warum acht Ecken?
Das Achteck hat in der christlichen Architektur eine lange Tradition. Seit der Spätantike wurden Zentralbauten, Taufkirchen und Gedächtnisbauten häufig achteckig angelegt. Die Zahl Acht erhielt dabei eine besondere symbolische Bedeutung.
Sieben Tage bilden nach der biblischen Schöpfungsgeschichte die Woche. Der folgende achte Tag wurde im Christentum zum Sinnbild eines neuen Anfangs und der Auferstehung. Das Achteck konnte damit für den Übergang vom irdischen zum ewigen Leben stehen.
Berühmte Beispiele wie die Pfalzkapelle Karls des Großen in Aachen machten den achteckigen Zentralbau über Jahrhunderte zu einer vertrauten Form christlicher Architektur.
Ob diese Symbolik bei jeder der fünf Sauerländer Kapellen ausschlaggebend war, ist unbekannt. Über entsprechende Überlegungen der Bauherren ist bislang nichts überliefert.
Ein kleines Sauerländer Architekturrätsel
Am geheimnisvollsten bleiben die drei Kapellen rund um Meschede. Remblinghausen, Erflinghausen und die Schlade liegen nahe beieinander, entstanden im frühen 18. Jahrhundert und ähneln sich nicht nur durch ihre acht Seiten, sondern auch durch ihre markanten Dachformen.
Vielleicht kannte ein Baumeister den Entwurf der ersten Kapelle und griff ihn später erneut auf. Vielleicht wurde eine der Kapellen zum Vorbild für die anderen. Oder tatsächlich war derselbe Handwerker an allen drei Bauten beteiligt.
Eine Antwort gibt es bislang nicht. Geblieben sind drei kleine Kapellen mit acht Ecken – und ein kleines Architekturrätsel im Sauerland.
Quellen:
Dr. Bette, Hans: „Drei achteckige Kapellen mit barocker Haube im Stadtgebiet Meschede. Einmalig in unserem Raum, war derselbe Baumeister am Werk?“, in: Jahrbuch Hochsauerlandkreis 1999
Kapelle zu den 14 Nothelfern, Remblinghausen: Medienwerkstatt Wissen.
Kapelle auf der Schlade, Calle: Informationen zum Tag des offenen Denkmals/Stadt Meschede.
Dehio, Georg: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen II: Westfalen, Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2011.

