Zwei Jahrhunderte später
Mit den drei Mescheder Bauten endet die Geschichte achteckiger Kapellen im Hochsauerland nicht. Fast zwei Jahrhunderte später entstanden zwei weitere Beispiele – diesmal unter völlig anderen Voraussetzungen.
Eine achteckige Gruftkapelle in Brilon
Auf dem Alten Friedhof in Brilon steht die sogenannte Liste-Kapelle, die Anna Liste 1905 als Begräbnisstätte ihrer Familie errichten ließ.
Auch dieser Bau besitzt acht Seiten. Über dem achteckigen Baukörper erhebt sich ein Pyramidendach.

An der Ostseite befindet sich ein Vorbau mit drei Arkaden; Doppelsäulen mit Würfelkapitellen und ein Blendbogenfries verleihen der Kapelle ein für das Sauerland ungewöhnliches Erscheinungsbild.
Foto: SteveK, CC BY-SA 4.0
Anders als bei den Dorfkapellen des 18. Jahrhunderts entstand dieser achteckige Bau als Andachtsraum und Familiengruft.
Die Rehbergkapelle in Sundern-Stockum
Nur wenige Jahre nach der Briloner Gruftkapelle entstand in Stockum bei Sundern ein weiteres Oktogon. Hoch über dem Ort steht auf dem Rehberg die Kapelle Leiden Christi, meist Rehbergkapelle genannt.

Bereits 1870 hatte sich in Stockum ein Verein zum Heiligen Kreuze gegründet, der den Bau einer Kapelle auf dem Rehberg zum Ziel hatte. Verwirklicht wurde das Vorhaben jedoch erst Jahrzehnte später: 1910 war die Kapelle fertiggestellt, die Weihe erfolgte 1919.
Der kleine verputzte Bau besitzt einen achteckigen Grundriss. Darüber erhebt sich eine geschwungene Haube mit Glockenaufsatz; ein Portalvorbau markiert den Eingang. Trotz des großen zeitlichen Abstandes erinnert die Silhouette an die wesentlich älteren achteckigen Kapellen im Mescheder Raum.
Eine Besonderheit ist die Lage: Die Kapelle steht auf der Spitze des kegelförmigen Rehbergs und bildet den Abschluss eines Kreuzwegs, der sich den Berg hinaufzieht. Architektur und Landschaft gehören hier unmittelbar zusammen – wer den Kreuzweg hinaufgeht, bewegt sich auf die weithin sichtbare Kapelle zu.
Ob sich die Bauherren bei der Wahl des Achtecks an älteren sauerländischen Kapellen orientierten, ist nicht bekannt. Auffällig bleibt dennoch, dass die ungewöhnliche Form fast zwei Jahrhunderte nach den barocken Mescheder Kapellen erneut verwendet wurde.

