Text: Christel Zidi
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung
„Eine andere Vorbereitung zum Schlafengehen war für mich ein Auf- und Abwandern in der ‚Völkerstuawe‘ an der Hand meines lieben Freundes, Lehrer Wahle, der bei uns wohnte. Wahle war der erste Lehrer, den Berlar hatte. Bis dahin waren die ‚Beerelsken Kinger‘ immer zu dem eine halbe Stunde entfernten Ramsbeck zur Schule gegangen. Wahle war ein kleiner, schmächtiger Mann mit braunem Vollbärtchen. Er trug abends einen langen Rock, den sogenannten ‚Schlooprock‘, der ihm bis auf die Füße reichte, und rauchte seine Briloner lange Pfeife.“
So erinnerte sich Wilhelm Kathol (1854–1944) in seinem Buch „Baßmes Hof“ an seine frühen Kinderjahre in Berlar bei Ramsbeck. Die lange Briloner Pfeife gehörte für Lehrer Wahle offenbar ganz selbstverständlich zum Feierabend. Und sie war schon damals bekannt – lange bevor Albert Lüke 1882 seine Pfeifenfabrik eröffnete.
Als das Pfeifenrauchen zur Mode wurde
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte das Pfeifenrauchen einen starken Aufschwung. Nachdem zahlreiche Beschränkungen des Rauchens in der Öffentlichkeit weggefallen waren, entwickelte sich die Tabakpfeife zunehmend zum alltäglichen Begleiter.
Davon profitierte besonders das Drechslerhandwerk, das im Sauerland seit Langem verbreitet war. Neben den unterschiedlichsten Gebrauchsgegenständen fertigten die Handwerker nun verstärkt auch Tabakpfeifen an. Nach Angaben des Heimatforschers Theodor Tochtropt arbeiteten im 19. Jahrhundert mehr als 1.000 gelernte und ungelernte Drechsler in Westfalen. Rund ein Drittel von ihnen lebte im oberen Sauerland.
Im Laufe der Zeit entwickelte sich die „Briloner Pfeife“ zu einem eigenständigen, überregional bekannten Pfeifentyp. Besonders geschätzt wurden ihre langen, kräftigen und weit gebohrten Holzrohre.
Bild oben: KI-generiert mit ChatGPT

