Text: Christel ZIdi
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung

Die Wennebrücke im Herzen von Eslohe-Wenholthausen gehört heute so selbstverständlich zum Ortsbild wie die Wenne selbst, die Kirche oder die alten Höfe. Als sie gebaut wurde, gab es noch keine Eisenbahn und keine Automobile.

Zwischen den Ortsteilen Mathmecke und Südstraße überquerten die Menschen den Fluss bereits seit Jahrhunderten über eine flache Furt – zu Fuß, mit Pferden oder Fuhrwerken. Ein über den Fluss gelegter Baumstamm erleichterte die Passage zusätzlich. Doch besonders bei Hochwasser wurde die Furt schnell zu einem gefährlichen Hindernis.

Die Wege des Sauerlandes bestanden damals oft nur aus schmalen Pfaden. Händler, Fuhrleute und Reisende mieden die sumpfigen Talauen und nutzten bevorzugt die Höhenzüge. Alte Fernwege wie die Heidenstraße, der Kriegerweg oder der Römerweg verliefen daher überwiegend über die Berge.

Mit der Übernahme des Herzogtums Westfalen durch Preußen im Jahr 1816[1] begann eine Zeit intensiver infrastruktureller Entwicklung. Die neue Verwaltung erkannte früh, dass wirtschaftlicher Fortschritt ohne leistungsfähige Verkehrswege kaum möglich war. Und so begann im 19. Jahrhundert der systematische Ausbau moderner Straßen. Zu diesen gehörte die Provinzialstraße, die von Freienohl bis Gleidorf führte und dem Lauf der insgesamt über 30 Kilometer langen Wenne folgte. Die Straße entstand in mehreren Bauabschnitten; der erste Abschnitt zwischen Freienohl und Bremke wurde bereits 1834 fertiggestellt. Finanziert wurde der Straßenbau durch die Provinzialverwaltung. Ihren Namen erhielt die Straße aufgrund ihres Verlaufs entlang der Wenne. Die Bezeichnung „Provinzial-Wennestraße“‘ blieb bis 1934 erhalten. [2]

Trotz der neuen Straße mussten Fuhrwerke die Wenne in Wenholthausen weiterhin durch die alte Furt queren. Erst zehn Jahre später, im Jahr 1845, wurde die erste Provinzial-Wennebrücke errichtet.

Foto: Friedhelm Dröge, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons


[1] Auf dem WienerKongress (1814/1815) wurde beschlossen, dass Preußen große Gebiete in Westdeutschland erhält – darunter das Herzogtum Westfalen und damit auch das Sauerland. Am 15. Juli 1816 fand in Arnsberg die feierliche „Besitzergreifung“ statt, d.h. das Gebiet ging nun in die preußische Verwaltung über.

[2] Mit der Neuordnung des Straßennetzes verschwand der historische Name. Große Teile ihres Verlaufs gingen später in der heutigen Landesstraße 541 auf, während der Abschnitt zwischen Haus Wenne und Bremke Teil der heutigen Bundesstraße 55 wurde.

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